Mexiko: Erneut Morde an Umweltaktivisten

Mitglied der indigenen Gemeindepolizei in Guerrero getötet. Attentat auf Gegner des Wasserwerkprojekts in Puebla

Salavdor Sánchez

Salvador Sánchez, Umweltaktivist und Gegner des Wasserwerkprojekts Autlán
Salvador Sánchez, Umweltaktivist und Gegner des Wasserwerkprojekts Autlán

Guerrero/Puebla. Anfang der Woche ist erneut ein Nahua-Indigener, Aktivist und Mitglied der selbstorganisierten Gemeindepolizei im mexikanischen Bundesstaat Guerrero ermordet worden. Eine bewaffnete Gruppe schoss auf Eugenio Máximo Hilario, als er im Auto unterwegs war.

Máximo Hilario kam aus dem Dorf Atzacualoya in der Gemeinde Chilapa de Alvárez. Als die organisierte Kriminalität in sein Dorf eindrang, schloss er sich der Gemeindepolizei der Regionalkoordination der Gründungsvölker (Coordinadora Regional de Autoridades Comunitarias-Pueblos Fundadores, CRAC-PF) an. Diese versucht ihr Land und die Gemeindemitglieder mit selbstorganisierten Sicherheitskräften zu schützen.

Die organsierte Kriminalität will die Gemeinde Chilapa de Alvárez, 54 Kilometer südlich der Hauptstadt Chilpancingo unter ihre Kontrolle bringen. Sie forciert illegale Abholzungen und zwingt indigene Bauernfamilien, Mohn zur Drogenproduktion anzupflanzen. Chilapa de Alvárez ist der einzige Durchgang für Handelsprodukte in der Region und wird von den Drogenkartellen vorzugsweise genutzt, um illegale Ware zu schmuggeln.

Angesichts der Gewalt gründeten 16 indigene Gemeinden im Jahr 2014 die CRAC-PC. Zurzeit sind 22 Gemeinden dabei. "Es gibt mehrere Gemeinden, die sich gerne anschließen würden, aber die organisierte Kriminalität verhindert es", schreibt der investigative Journalist Zósimo Camacho.

Die kriminellen Gruppen kontrollieren derzeit alle Landstraßen in Chilapa de Alvárez, die die Bevölkerung nutzt, um Lebensmittel zu kaufen oder um ihre landwirtschaftlichen Produkte zu verkaufen. "Wir werden umgebracht, wenn wir diese Wege nutzen", beschreiben die 22 Gemeinden in einem am 3. Juni veröffentlichen Kommuniqué. Sie appellieren an die Solidarität der Bevölkerung, Lebensmittel zu sammeln und sie mit Friedensbrigaden in die abgelegenen Dörfer zu transportieren. Die Lage in Chilapa de Alvárez ist so gefährlich, dass die Schulen geschlossen wurden. Zudem können die Bauern, die sich geweigert haben Mohn anzupflanzen, ihre Felder nicht bearbeiten.

Im vergangenen Monat waren weitere vier Aktivisten aus Chilapa de Alvárez ermordet worden. Sie alle waren Mitglieder der CRAC-PF, des Nationalen Indigenen Kongresses und des Indigenen Regierungsrats. Zusammen mit der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) unterstützten sie die unabhängige indigene Politikerin Maria de Jesús Aparicio, besser bekannt als Marichuy. Sie hatte sich für die Präsidentschaftswahlen 2018 aufgestellt.

360 Kilometer weiter nordlich, im Bundesstaat Puebla, ist der Umweltaktivist Salvador Sánchez knapp einem Attentat entgangen. Er war bereits kurz vor seinem Haus in der Gemeinde San Pablo Zoquitlán in der Sierra Negra angekommen, als er beobachtete, wie eine Gruppe bewaffneter Männer in sein Haus eindrang und nach ihm suchte. Sánchez ist Gegner des Wasserwerkprojektes Autlán in seiner Gemeinde und Moderator des Lokalradios "Tlacuache". In seinen Sendungen prangert er Korruptionsskandale von Politikern und Behörden im Umfeld des Megaprojekts an.

Die Zapatistische Indigene Agrarbewegung und der Bund von Indigenen Gemeinden der Region Istmo sehen die vier Angeklagten im Fall des Verschwindens des Aktivisten und Gegners des Wasserprojekts Sergio Rivera als Hintermänner auch des Angriffs gegen Sánchez. Rivera war 2018 verschwunden. Die mutmaßlichen Täter sind seit 2018 angeklagt und sitzen im Gefängnis der Gemeinde Tehuacán, Puebla. Nun muss ermittelt werden, ob sie auch für das geplante Attentat gegen Sánchez verantwortlich sind.

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