130. während der Diktatur verschwundener Enkel in Argentinien identifiziert

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Bei der Pressekonferenz in Buenos Aires
Bei der Pressekonferenz in Buenos Aires

Buenos Aires. Javier Matías Darroux Mijalchuk ist der 130. Enkel, dessen biologische Identität nun mit Hilfe der Menschenrechtsorganisation Großmütter der Plaza de Mayo (Abuelas de Plaza de Mayo) aufgeklärt werden konnte. Mit 41 Jahren konnte er mit seinem Onkel mütterlicherseits zusammengebracht werden. Seine Eltern Elena Mijalchuk und Juan Manuel Darroux waren im Dezember 1977 während der Militärdiktatur in Argentinien (1976-1983) verschleppt und ermordet worden. Der damals vier Monate alte Junge war daraufhin in der Nähe der Marineschule ESMA gefunden und von der Militärjunta zur Adoption freigegeben worden. Die ESMA war zu dieser Zeit eines der wichtigsten geheimen Haft- und Folterzentren der Diktatur.

Bei der Pressekonferenz am Donnerstag dankte er den "Großmüttern" und seinem Onkel für die unermüdliche Suche. Es sei eine kleine Heilung der Verletzungen durch den Staatsterrorismus und die Streitkräfte, die bis heute schwiegen und keine Reue zeigten. Er hatte sich 2006 an die Großmütterorganisation gewandt. Sie erforscht seit 1978 die Identitäten der Enkel, um die Schicksale der "Verschwundenen" und ihrer Angehörigen aufzuklären.

Roberto Mijalchuk, der Onkel, erinnerte an die grausamen Foltermethoden der Diktatoren. Seine Schwester starb wahrscheinlich durch einen sogenannten Todesflug, bei denen Menschen betäubt und lebendig aus der Luft in den Paraná-Fluss geworfen wurden. Matías dankte ihm: "Es ist schwer zu verstehen, was er erlebt hat. Die Freude ist nur ein kleiner Teil. Denn mich gefunden zu haben, erinnert auch daran, dass er seine Schwester niemals sehen wird."

Die Suche der Großmütter gemeinsam mit der Nationalen Kommission für das Recht auf Identität und der Nationalen Gendatenbank war erfolgreich, nachdem auf Anfrage der Großmütter hin die genetischen Informationen durch die Exhumierung verstorbener Verwandter vervollständigt worden waren.

Matías Mijalchuk sucht weiter nach einem Geschwisterteil, da seine Mutter bei ihrem "Verschwinden" schwanger war. Die genauen Umstände der Verschleppung seiner Eltern sind auch noch ungeklärt.

Laut dem Zentrum für rechtliche und soziale Studien (CELS) wird aktuell noch in 400 Fällen von während der Diktatur "verschwundenen" Personen ermittelt. Einen großen Fortschritt erhoffen sich Menschenrechtsorganisationen von der Freigabe bislang unter Verschluss gehaltener Geheimakten auch aus den USA.

Erst im April 2019 waren dem argentinischen Justizminister Germán Garavano Datenträger mit 43.000 Aktenseiten ehemaliger Geheimdokumente von den USA übergeben worden. Es handelt sich um Dokumente der US-Geheimdienste aus den Jahren 1975 bis 1984, die neue Details der Diktatur enthüllen könnten. Teile dieser Dokumente waren auf Gesuche des CELS und der Großmütter teilweise bereits 2016, während der Regierung von Ex-Präsident Barack Obama, übergeben worden. 2017 hatte es eine weitere Offenlegung seitens der Trump-Administration gegeben. Mit den jetzt zugänglich gemachten Akten sollen laut der argentinischen Tageszeitung La Nación nun 97 Prozent der Geheimdokumente öffentlich einsehbar sein.

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