Kolumbien / Politik

Kolumbien: Seit Abschluss des Friedensvertrages 140 frühere Farc-Kämpfer ermordet

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Farc-Senator Lozada fordert Ermittlungen zu Attentatsplanungen gegen ehemalige Guerilleros (Screenshot)
Farc-Senator Lozada fordert Ermittlungen zu Attentatsplanungen gegen ehemalige Guerilleros (Screenshot)

Bogotá. In Kolumbien sind Anfang dieser Woche erneut zwei ehemalige Farc-Guerilleros getötet worden. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens im November 2016 sind damit insgesamt 140 ehemalige Aufständische ermordet worden. Dies geht aus Berichten des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur und Angaben der Partei Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común, Farc), der Nachfolgeorganisation der Guerilla, hervor. Zudem wurden in diesem Zeitraum 31 Familienangehörige von Ex-Kämpfern umgebracht.

"Nach unserer Ansicht liegen Hinweise vor, dass ein Plan im Gang ist, gegen führende Mitglieder der Farc-Partei Attentate zu verüben", erklärte Senator Julián Gallo alias Carlos Antonio Lozada, Ex-Kommandant der Guerilla und selbst Führungsmitglied der Partei. Lozada reichte am 10. Juli bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige ein und forderte die Aufnahme von Ermittlungen. Die aktuelle Serie von Attentaten könnte den Übergang in eine neue Etappe kennzeichnen, so der Senator.

Anfang dieser Woche waren im Departement Cauca innerhalb von 24 Stunden zwei Ex-Kämpfer erschossen worden. Carlos Yunda lebte in der Gemeinde Corinto, die sehr viele Attentate auf soziale Aktivisten zu beklagen hat. Er nahm dort am Prozess der Wiedereingliederung teil und war Mitglied der neuen Farc-Partei. Bei dem Angriff wurde zudem sein Bruder verletzt. In der Gemeinde Tambo wurde Weimar Galíndes Daza getötet, als er mit seiner Familie an einem Bazar teilnahm. Beide Dörfer befinden sich in Zonen, wo auch die Armee stark präsent ist, die nach Angaben der lokalen Bevölkerung systematisch die Menschenrechte verletze.

Innenminsterin Nancy Patricia Gutiérrez versicherte indes, dass die Sichherheitsmaßnahmen für die Ex-Kommandanten verstärkt würden: "Die Regierung bekräftigt den Willen, alle Parteien zu beschützen, besonders die Mitglieder der Farc, die den Prozess unterstützen."

Im Zusammenhang mit dem Tod des früheren Guerilleros Dimar Torres (Amerika21 berichtete) hatten Vertreter der Vereinten Nationen (UN) die Regierung um Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit der außergerichtlichen Hinrichtung Torres' sowie zur Nichterfüllung gewisser Punkte des Friedensabkommens gebeten ‒ etwa die Umsetzung der integralen Landreform, Subsitution illegaler Anpflanzungen sowie Sicherheitsgarantien für die Mitglieder der neuen Partei. Die UN-Experten forderten die Regierung zudem auf, damit aufzuhören, die Gewalt gegen demobilisierte Farc-Angehörige anzustacheln. Über Antworten ist bislang nichts bekannt.

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