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Heftige Proteste gegen Bergbauprojekt Tía María in Peru

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In Peru wird seit über einer Woche an vielen Orten des Landes gegen das Bergbauprojekt Tía María protestiert
In Peru wird seit über einer Woche an vielen Orten des Landes gegen das Bergbauprojekt Tía María protestiert

Lima. In Peru wirken sich andauernde Proteste gegen das Bergbauprojekt Tía María auf viele Regionen und die Wirtschaft des Landes aus. Die Proteste vereinen unterschiedliche Bevölkerungsschichten und regionale Regierungen in der strikten Ablehnung der Konzessionsvergabe an den mexikanischen Bergbaukonzern Southern Copper Corporation. Sie befürchten verheerende Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft. Der Bergbausektor macht in Peru 60 Prozent des gesamten Exportvolumens des Landes aus. Der bereits seit 2009 schwelende Konflikt um die geplante Kupfermine in der Provinz Islay, Region Arequipa, 950 Kilometer südlich der Hauptstadt Lima, hat seit 2015 bereits mehrere Tote unter den Gegnern des Projekts gefordert.

In den betroffenen landwirtschaftlichen Regionen sehen sich vor allem die Bauern von dem von der peruanischen Regierung unter Präsident Martín Vizcarra wieder forcierten Projekt bedroht. Die Regierung verspricht sich von dieser Konzessionsvergabe Investitionen in die Region in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar, welche in der Folge weitere Arbeitsplätze für die regionale Bevölkerung bringen würden. Jedoch hat der mexikanische Konzern keine vielversprechende Vorgeschichte bezüglich seines Umgangs mit Arbeitsbedingungen oder Arbeitsrechten vorzuweisen. Wie Jorge Juárez, der Generalsekretär der Gewerkschaft der peruanischen Bergarbeiter hervorhebt, respektiert der Konzern weder das Streikrecht noch Verhandlungen oder Strafen für Verstöße gegen das Arbeitsrecht. 70 Prozent der Arbeiter sind out-gesourced, stehen also nicht mehr direkt unter Vertrag, und besitzen so gut wie keine Rechte. Daher seien neue soziale Konflikte zu befürchten.

Die Bevölkerung mehrerer betroffener Regionen hat wegen des Risikos der Gefährdung ihrer Lebensgrundlage und der erwarteten Kontamination der Wasserressourcen am Montag vergangener Woche zum unbefristeten Generalstreik aufgerufen. Insgesamt würde die Kupfermine 13.000 Hektar Ackerland bedrohen, die die Ernährung von vier Millionen Peruanern sicherstellen. Der Bergbaukonzern behauptet hingegen, kein Wasser aus der Region zu entnehmen, sondern mit Meerwasserentsalzungsanlagen arbeiten zu wollen.

Viele Tausend Peruaner sind dem Aufruf zum Streik bereits gefolgt und beschuldigen den peruanischen Präsidenten des Verrats. Auch die Gouverneure der Regionen Arequipa, Tacna und Moquegua fordern eine Rücknahme der Konzession und beraten über weitere Schritte gegen die Entscheidung der peruanischen Regierung. Die Proteste betreffen inzwischen auch die überregionale Wirtschaft, da die wichtigen Fernverkehrsstraßen von Arequipa und Lima zum Hafen Matarani blockiert sind. Die Zentralregierung hat bisher keine Verhandlungsbereitschaft gezeigt und vorsorglich 400 Polizisten in die Provinz Islay entsandt.

Eine Lösung des Konfliktes ist nicht in Sicht, da der Gouverneur von Arequipa, Elmer Cáceres, Präsident Martín Vizcarra nach einem am vergangenen Samstag abgelaufenen 72-stündigen Ultimatum zur Rücknahme der Konzession für jegliche gewalttätige Zuspitzung des Konflikts persönlich verantwortlich macht und vor Annullierung der Abbaulizenz nicht mir der Zentralregierung verhandeln will.

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