Familie des in Argentinien ermordeten Maldonado fordert Wiederaufnahme der Ermittlungen

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Der Aufruf fordert ein "Ende der Straflosigkeit" im Fall von Santiago
Der Aufruf fordert ein "Ende der Straflosigkeit" im Fall von Santiago

Buenos Aires/Esquel. Der gewaltsame Tod des Aktivisten Santiago Maldonado ist auch zwei Jahre danach noch ungeklärt. Jetzt wendet sich seine Familie erneut an die Interamerikanische Menschenrechtskommission und fordert den zuständigen Bundesrichter zur Wiederaufnahme der Ermittlungen auf.

Am 1. August 2017 war Maldonado während einer Protestaktion der Mapuche-Gemeinde Pu Lof in der argentinischen Provinz Chubut "verschwunden". Am 17. Oktober 2017 war er tot im Fluss Chubut – in der Nähe des Ortes seines "Verschwindens" – gefunden worden. Die Angehörigen fordern in ihrer Petition nun die uneingeschränkte und unparteiische Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Richter Gustavo Lleral soll vor allem die Ungereimtheiten in seinem Vorgehen und in den Ermittlungsergebnissen aufklären. So seinen die Geldscheine etwa, die sich laut eines Rechtsgutachtens am Körper der Leiche befanden, nie auf Spuren untersucht worden. Gleichzeitig heißt es in dem ebenfalls in Auszügen veröffentlichten Autopsiebericht, die Leiche sei "auf natürliche und künstliche Weise kryokonserviert". Dieser Zustand der "Unterkühlung" wird bei Temperaturen zwischen minus 90 und minus 196 Grad Celsius erreicht. Die Wassertemperatur des Flusses Chubut fällt jedoch nie unter den Gefrierpunkt. Auch werden im Autopsiebericht die Ursache und Umstände des Todes mehrmals als "gewaltsam" bezeichnet. Dennoch hatte Gustavo Lleral dies bei der Bekanntgabe des Autopsieberichts am 24. November 2017 nicht erwähnt. Dies sind einige der Punkte, für die die Angehörigen Aufklärung fordern.

Lleral hatte die Ermittlungen im November 2018 für abgeschlossen erklärt. Laut Medienberichten wurden trotz seines mehrere hundert Seiten umfassenden Berichts weder die politischen Verantwortlichen für den Polizeieinsatz befragt, die den repressiven Einsatz angeordnet und dazu beigetragen hatten, Beweise zu verbergen, noch wurden sie von dem Fall abgezogen. So steht auch die Staatsanwältin Silvina Ávila, die den Fall behielt, im Verdacht der Verschleierung im Verbrechen an Santiago Maldonado.

Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte zunächst eine Einstweilige Verfügung gegen Argentinien erlassen und wieder aufgehoben. In der erneuten Beschwerde vor dem internationalen Gremium erhebt die Familie auch Vorwürfe wegen verunglimpfender Medienberichte.

Maldonado hatte sich vor seinem "Verschwinden" mit dem Protest der Mapuche-Gemeinschaft solidarisiert, bei dem es um Landrechte der Indigenen geht. Augenzeugen hatten berichtet, dass der 28-Jährige von der Nationalen Gendarmerie festgenommen worden war, nachdem er sich am nahegelegenen Flussufer vor dem Polizeieinsatz versteckt hatte. Maldonado soll von den Gendarmen verhaftet, geschlagen, gefesselt und weggebracht worden sein.

Die Familie hat für den 1. August 2019 zu einer Mahnwache an der zentralen Plaza de Mayo vor dem Regierungspalast in Buenos Aires aufgerufen.

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