Brasilien / Umwelt

TÜV Süd verliert Lizenz in Brasilien

Justiz in Brasilien sieht deutsches Unternehmen als einen Hauptverantwortlichen für die Tragödie in Brumadinho mit mindestens 238 Toten

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Am 25. Januar brach in der Nähe der Kleinstadt Brumadinho ein Damm eines Rückhaltebeckens für die Erzschlammreste der Mine Córrego do Feijão
Am 25. Januar brach in der Nähe der Kleinstadt Brumadinho ein Damm eines Rückhaltebeckens für die Erzschlammreste der Mine Córrego do Feijão

Brumadinho. Die brasilianische Justiz hat am Mittwoch angeordnet, 60 Millionen Reais (15 Millionen US-Dollar) des TÜV Süd zu blockieren. Die deutsche Firma bescheinigte im September 2018 die Sicherheit eines Rückhaltebeckens am Erzbergwerk Córrego do Feijão im Ort Brumadinho im Südosten Brasiliens. Im Januar dieses Jahres löste ein Dammbruch einen Tsunami aus Schlamm und Bergbauabfällen aus, der mindestens 238 Menschen unter sich begrub. 32 Menschen werden nach wie vor vermisst. Die brasilianische Justiz sieht den TÜV Süd als einen Hauptverantwortlichen der Katastrophe.

Das Unternehmen hat sich nach eigenen Angaben "als eines der führenden technischen Dienstleistungsunternehmen weltweit etabliert – mit Prüfungen und Produkttests, mit Inspektionen, Auditierungen und Systemzertifizierungen, mit Trainings und Schulungen" und rund 24.000 Mitarbeiter an über 1.000 Standorten.

Die vorläufige Entscheidung eines Richters der Region sieht vor, die Waren, Rechte und Eigentum der Firmen "TÜV Süd Bureau de Projetos e Consultoria Ltda" und "TÜV Süd SFDK Laboratório de Análise" im Wert von 15 Millionen US-Dollar einzufrieren. Die beiden Firmen gehören zur TÜV Süd Unternehmensgruppe in Brasilen.

Ebenso verfügte Richterin Perla Saliba Brito, TÜV Süd die Lizenz für Umweltgutachten, Studien oder technische Berichte zu entziehen. Das in München ansässige Unternehmen, das mehr als zwei Milliarden Euro Jahresumsatz erzielt und einem Verbund aus mehreren Großkonzernen sowie einer Stiftung gehört, hat sich zu den laufenden Ermittlungen und der Entscheidung der Justiz bisher nicht geäußert.

Im März wurde aus Ermittlungsakten bekannt, die Firma habe im September 2018 die Sicherheit des Damms bescheinigt, nachdem ein Wettbewerber die Unterschrift verweigert hatte. Demnach wurde zunächst das zum französischen Energiekonzern gehörende Unternehmen Tractebel damit beauftragt, die Stabilität des Rückhaltebeckens zu prüfen, weigerte sich jedoch nach einer Prüfung die Sicherheit des Beckens zertifizieren.

Laut "Wall Street Journal" wurde daraufhin kurzfristig das Münchener Unternehmen beauftragt, da es erst im Juni 2018 eine gründlichere Untersuchung desselben Damms durchgeführt hatte. Einer von zwei TÜV-Süd-Mitarbeitern, die im Februar vorübergehend verhaftet wurden, hatte nach früheren Gerichtsakten intern gewarnt, dass "wir streng genommen nicht die Stabilitätserklärung für den Damm unterschreiben" könnten - was dann aber doch geschah, obwohl die von TÜV Süd geforderte Sicherheitsmaßnahmen als zu teuer und langwierig verworfen wurden.

Die Mine Córrego do Feijao gehört dem französischen Unternehmen Vale, dem weltgrößten Eisenerzproduzenten. Der Konzern war nach einem ähnlichen Dammbruch in Mariana in Brasilien international in die Kritik geraten. Dieser fordete 18 Todesopfer und verseuchte den Fluss Rio Doce. Nach der Tragödie in Brumadinho erhielt Vale Geldstrafen in Millionenhöhe. Das Ministerium von Minas Gerais hatte das Einfrieren der Vermögenswerte erreicht, um die Schadensersatzzahlungen an die Bewohner zu gewährleisten.

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