Kolumbien: ELN wehrt sich gegen Vorwürfe zu ihrer Rolle in Catatumbo

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Mitglieder der ELN-Guerilla in Catatumbo, Kolumbien
Mitglieder der ELN-Guerilla in Catatumbo, Kolumbien

Bogotá/Havanna. Die kolumbianische Guerrillagruppe Nationale Befreiungsarmee (ELN) hat ein Statement veröffentlicht, in dem sie sich gegen die Vorwürfe von Human Rights Watch (HRW) und Kolumbiens Regierung wehrt, sie wäre ein zentraler Gewaltakteur im Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Venezuela. Darin verurteilt die ELN auch die Einflussnahme der USA auf die Regierung von Präsident Iván Duque durch eine erneute Kooperation der Staatsanwaltschaft mit dem Justizdepartment der USA.

Am 8. August hatte HRW einen 64-seitigen Bericht mit dem Titel: "Der Krieg in Catatumbo: Missbrauch von Zivilisten inklusive Exil-Venezolanern durch bewaffnete Gruppen im Nordosten Kolumbiens." Der Leiter der Abteilung Mittel- und Südamerika von HRW, Jose Miguel Vivanco, sagte, dass das Land in dieser Region Krieg führe. Irreguläre bewaffnete Gruppen, zu denen nicht demobilisierte Farc-Mitglieder, die ELN wie auch die kriminelle Vereinigung Los Pelusos gehören sollen, kämpften dort um die Vorherrschaft. Ein Kampf der laut HRW 300.000 Zivilisten in Gefahr bringt. Hierzu zählen unter anderem Mord, Rekrutierung von Kindersoldaten, sexuelle Gewalt, Entführung, Zwang zu Drogenanbau, Vertreibung. Davon betroffen seien aber nicht nur Kolumbianer, sondern auch die aus Venezuela geflohenen Migranten.

Die ELN äußerte sich nun entsetzt zu den Vorwürfen, ein entscheidender Akteur bei der Gewalt in der Region Catatumbo zu sein. In ihrem Statement grenzen sie sich klar vom Drogenhandel ab und verweisen auf ihr Statut, aus dem hervor geht, niemand unter 16 Jahren dürfe rekrutiert werden. Außerdem gebe man die zentrale Schuld an der Lage in Catatumbo der ELN, während in dem gesamten Bericht die kritische Rolle von staatlichen Akteuren wie dem Militär oder paramilitärischen Gruppen unerwähnt geblieben ist.

Allerdings sei man nicht überrascht über den klaren Angriff des Berichts. Erst kürzlich habe sich auch Präsident Duque erneut gegen die ELN gerichtet. So hatte er am 8. August in einer Rede zur weiteren Kooperation des Justizdepartments der USA und der kolumbianischen Staatsanwaltschaft bekräftigt, dass es eine Notwendigkeit sei, gegen die ELN und die von ihr ausgeübte Gewalt vorzugehen.

Wie außerdem aus dem Statement der ELN hervorgeht, stehe in der Kooperation, man wolle die Untersuchungen gegen und Auslieferungen von Anführern der ELN, ehemaligen Farc-Mitgliedern sowie anderen illegalen Gruppen intensivieren. Die Guerilla sieht darin eine klare Einflussnahme der USA außerhalb ihres Staatsgebietes, indem sie die Ermittlungen forciere. Dadurch würde die Abhängigkeit der Regierung Duques von Präsident Trump und seiner Regierung unterstrichen.

Seit dem Friedensabkommen 2017 und der anschließenden Demobilisierung der Farc gibt es in einigen Gebieten Kolumbiens ein Machtvakuum, um deren Ausfüllung sich verschiedene Gruppe streiten. Eine dieser Regionen ist Catatumbo, dass von der ehemaligen Farc kontrolliert wurde. Laut Bericht von HRW habe die Gewalt seitdem stark zugenommen. Für den Bericht interviewte die Organisation, teils telefonisch, 80 Personen. Zu ihnen zählen sowohl Opfer von Menschenrechtsverletzungen, zentrale Aktivisten, Vertreter von Gemeinden und Kirche, aber auch lokaler Behörden. Darüber hinaus analysierte HRW Berichte von Nichtregierungsorganisationen, internationaler Organisationen und Zeugenaussagen von knapp 500 Opfern von Menschenrechtsverletzungen.

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