Kolumbien: Lizenz von Bergbaukonzern Cerrejón unter der Lupe

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Teil des Geländes von El Cerrejon, einer der größten Steinkohle-Tagebaue der Welt in Guajira, Kolumbien
Teil des Geländes von El Cerrejon, einer der größten Steinkohle-Tagebaue der Welt in Guajira, Kolumbien

Bogotá. Eine Gruppe von Senatoren, Indigenenverbänden und weiteren zivilgesellschaftlichen Organisation haben in einer Klage die Aufhebung der Umweltgenehmigung des Steinkohlebergwerks Cerrejón gefordert. Die Kläger machen das multinationale Unternehmen für Umweltschäden, die Verletzung der Rechte und die Zerstörung der Lebensgrundlage der ortansässigen indigenen Wayúu-Gemeinden verantwortlich und fordern die Aussetzung der Bergbauaktivitäten in der Nähe der betroffenen Gemeinden sowie eine eigehende Prüfung der Einhaltung der Umweltstandards. Das Unternehmen streitet die Verantwortung für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Bevölkerung der Guajira ab und hebt seinen Verdienst um die wirtschaftliche Entwicklung in der Region hervor.

"Das Ziel unseres Antrags ist die Suspendierung der Bergbauaktivitäten in der unmittelbaren Nähe der betroffenen Gemeinden und dass die Förderung nicht ausgeweitet wird, bis die Garantie der Rechte der Gemeinden nicht gewährleistet ist", heißt es in einer Mitteilung der Antragsteller.

Das Unternehmen Cerrejón betreibt im Nordosten Kolumbiens im Bundesstaat Guajira eines der größten Steinkohlebergwerke Lateinamerikas. Die Folgen des Kohleabbaus für die Bewohner der Region und die Umwelt sind verheerend: durch Zwangsumsiedlungen und verschmutze bzw. ausgetrocknete Flüsse wurden mindestens 250.000 Indigenen der Wayúu die Lebensgrundlage entzogen. "Die Kohleförderung durch El Cerrejón zerstört das wirtschaftliche System der Wayúu und somit das Ernährungssystem dieses Wüstenvolkes", so der Vorsitzende der Nationalen Indigenen Organisation Kolumbiens (ONIC), Armando Valbuena Gouriyu.

In den letzten Jahren sind rund 5.000 Kinder aufgrund von Hunger und Wassermangel in der Region gestorben, circa 40.000 Kinder sind unterernährt.

Das Unternehmen Cerrejón wies die Anschuldigungen zurück und unterstellte den Klägern, die vollständige Schließung des Tagebaus bewirken zu wollen. Es unterstrich, seine Verträge, Lizenzen und Genehmigungen stets legal erworben und immer im Rahmen des kolumbianischen Gesetzes und internationaler Branchenstandards gehandelt zu haben. Die Verantwortung für die sozialen und wirtschaftlichen Probleme der Bevölkerung und die Umweltzerstörung in der Guajira stritt das Unternehmen vehement ab: "Die Anschuldigungen ziehen die Institutionen und die juristische Sicherheit dieses Landes in Zweifel. Das betrifft nicht nur Cerrejón sondern die gesamte Branche. Dies führt zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit der Privatindustrie, die der Motor der Entwicklung der Wirtschaft des Landes ist", so das Unternehmen in einer Stellungnahme.

Der Klägergemeinschaft reagierten daraufhin mit einer Mitteilung und wies darauf hin, das Ziel es nicht sei, den Betrieb der Aktivitäten des Unternehmens komplett einzustellen und Arbeitsplätze zu gefährden. "Das Einzige, was wir verlangen, ist eine Überprüfung, ob Cerrejón die gesetzlichen Vorgaben genau einhält", so die Senatorin Aída Avella.

Die Umweltgenehmigung war 1983 erteilt worden, seitdem wurden 60 Änderungen vorgenommen. Die Kläger fordern daher eine erneute Umweltverträglichkeitsprüfung durch die zuständigen staatlichen Stellen.

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