Politische Morde in Kolumbien nehmen weiter zu

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Tausende nahmen im Juli in Kolumbien am “Marsch für das Leben” gegen die Gewalt und die tödlichen Angriffe auf soziale und politische Aktivisten teil
Tausende nahmen im Juli in Kolumbien am “Marsch für das Leben” gegen die Gewalt und die tödlichen Angriffe auf soziale und politische Aktivisten teil

Bogotá. Die Tötungen von Aktivisten, ehemaligen Mitgliedern der Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (Farc-EP) und Kandidaten für die Kommunalwahlen in Kolumbien reißen nicht ab. Dieses Jahr wurden bereits 160 politische Morde verübt. Seit der Unterzeichnung des Friedensabkommens Ende 2016 sind 780 Aktivisten ermordet worden.

Unter den Opfern sind in den letzten Wochen auch zehn Lehrer vor allem aus ländlichen Gebieten. Besonders gefährdet sind Indigene. Alleine in den letzten Monaten sind weitere 720 Morddrohungen registriert worden, fast alle seitens paramilitärischer Gruppen.

Am stärksten betroffen ist das Department Cauca im Süden des Landes. Dort wurden vor zwei Tagen zwei 19-jährige Indigene auf offener Strasse erschossen. Auch der Sprecher der Indigenenorganisation Henry Cayuy wurde im Cauca am 16. September vor den Augen seiner Familie getötet worden.

Anfang September wurden im nahegelegenen Ort Argelia sieben Leichen von einem Kleinlaster abgeworfen. Nach Angaben der Polizei befanden sich darunter zwei ehemalige Farc-EP-Mitglieder aus dem Wiedereingliederungsprozess. Es handelte sich um Jeferson Cuchuillo und Alfaris Gómez. Die anderen Personen wurden als Luis Aurelio Bermúdez, Lisandro Muñoz Romero, Fabián Guzmán und Heidilber Gómez identifiziert. Letztere seien wegen illegalen Waffenbesitzes bereits polizeibekannt. Laut örtlicher Polizei hätten Guerilleros der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) sie aus Rivalitätsgründen erschossen. Die staatlichen Ordnungskräfte würden nun verstärkt in diesem Gebiet patroullieren.

Ebenfalls Anfang September wurde die Kandidatin für das Bürgermeisteramt von Suárez, Karina García, tot in ihrem Auto aufgefunden, zusammen mit ihrer Mutter und drei Mitarbeitern ihres Wahlkampfteams. Alle Insassen des Autos starben am helllichten Tag in einem Kugelhagel. García hatte zwei Wochen vor ihrem Tod berichtet, dass eine Gruppe von vier bewaffneten Männern ihre Wahlhelfer bedroht und sie gezwungen hatte, Wahlplakate abzuhängen. Die Regierung machte Farc-Dissidenten als Täter aus. In einer Stellungnahme der Kolumne Jaime Martines der reaktivierten Farc-EP vom 2. September wies die Guerilla indes die Verantwortung für die Morde zurück und distanzierte sich von jeglichen Angriffen auf Kandidaten für die Regionalwahlen.

Wenige Tage später berichtete Cloe Sauca, die Menschenrechtsbeauftragte des Regionalrates der Indigenen des Cauca (CRIC), dass Soldaten der kolumbianischen Armee einen Toten auf der Straße abgeladen hätten. Die Person sei bei einer Operation der Militärs umgekommen, bei der ein Farc-EP-Dissident mit Namen "Alonso" erschossen worden war. Der Tote sei in der Gegend nicht bekannt. Sauca erklärte weiter, dass es keine Fortschritte bei "Schlüsselfaktoren für die Beendigung des Konflikts" gebe. Dies führe dazu, dass sich neue bewaffnete Gruppen in der Zone ausbreiten. "Sie nehmen strategische Gebiete ein, um legale und auch illegale Wirtschaftszweige zu kontrollieren". Dies betreffe Rohstoffe und Monokulturen und die Konzentration von landwirtschaftlichen Pachtflächen, wie auch den Drogenhandel und den illegalen Bergbau.

Von Januar bis Mitte August 2019 wurden allein im Verwaltungsbezirk Cauca 36 Indigene ermordet. Daraufhin hatte der CRIC seine "große Besorgnis" zum Ausdruck gebracht: Bewaffnete Gruppen hätten den Indigenen im Cauca "den Krieg erklärt". Es gab Pamphlete paramilitärischer Organisationen, die Lehrer, Erzieher und Sprecher indigener Organisationen zum militärischen Ziel erklären. In dem Gebiet konkurrieren kriminelle Strukturen um die Kontrolle illegaler Märkte und Transportwege für Kokain, Marihuana und illegal gewonnene Bodenschätze, vor allem Gold.

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