Argentinien / Politik

Argentinien: Präsidentschaftskandidat schlägt Lösungen für Krise vor

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Der Präsidenschaftskandidat Fernández liegt in Umfragen vorne
Der Präsidenschaftskandidat Fernández liegt in Umfragen vorne

Buenos Aires. Der argentinische Präsidentschaftskandidat Alberto Fernandez kündigte zu Beginn der Woche einen Plan gegen den Hunger im Lande an. Begleitet von ca. 200 Vertretern von sozialen, religiösen und politischen Bewegungen stellte er in der Fakultät für Agronomie der Universität Buenos Aires einen Aktionsplan vor. Dieser wurde vom früheren Minister für Soziales der Provinz Buenos Aires, Daniel Arroyo, entwickelt. Obwohl sich der Kandidat mit der Ankündigung seiner künftigen Minister sehr zurückhaltend verhält, gilt Arroyo bereits als wahrscheinliches Mitglied seines künftigen Kabinetts.

Der Plan soll mehreren Achsen folgen: Die Preisspirale bei den Nahrungsmitteln soll eingedämmt werden, das Programm Precios cuidados wiedereingeführt werden. Dies garantierte bis 2015 einen Warenkorb an Grundnahrungsmitteln mit kontrollierten Preisen. Daneben soll eine Lebensmittelkarte für sozial schwache Familien eingeführt werden sowie ein spezielles Programm für Mütter mit Kleinkinder. Schulspeisungen und die öffentlichen Speisesäle, die zumeist von Vereinen, Sozialorganisationen und Kirchen getragen werden, sollen verstärkt unterstützt werden. Ebenso sollen mittlere, kleine und familiäre Landwirtschaftsunternehmen gefördert werden. Von verschiedenen Unternehmern und Wirtschaftsverbänden wurde bereits Unterstützung angekündigt. Der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes für die Lebensmittelindustrie (Copal), Daniel Funes de Rioja, kündigte an, dass seine und andere Firmen ein Prozent ihrer Produktion spenden wollen und auch bereit seien, bei der Eindämmung der Inflation zu kooperieren.

Inspiriert wurde das Programm durch die Aktion „Hambre cero“ der ehemaligen brasilianischen Regierung unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Weiteres Vorbild ist Mis primeros mil días (Meine ersten tausend Tage), mit dem die Regierung der Provinz San Juan unter Gouverneur Sergio Uñac Mütter mit Kleinkindern unterstützte.

Unter der Regierung von Mauricio Macri ist der Anteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze lebt, inzwischen mit 35 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2004. Nach der großen Krise im Jahr 2001 erreichte die Armut einen Höchststand von 58 Prozent (im Jahr 2003). Unter der Regierung der Kirchners wurde diese Zahl auf 27 Prozent im Jahr 2015 gesenkt. Die anhaltende Wirtschaftskrise, die steigende Inflation und die aufeinanderfolgenden Abwertungen des Pesos haben diesen Wert jedoch signifikant ansteigen lassen. Laut Experten der Katholischen Universität Argentiniens (UCA) wird bis Jahresende ein Anstieg auf 40 Prozent erwartet.

Eine direkte Folge dieser Entwicklung ist die Mangelernährung eines bedeutenden Anteils der Bevölkerung. Die Inflation trifft die Preise der Lebensmittel überdurchschnittlich stark. Die Vertreter der Lebensmittelindustrie teilten mit, dass ihre aktuelle Produktion lediglich 50 Prozent ihrer Kapazitäten beträgt. Nach einer Information aus dem argentinischen Ministerium für Agrarwirtschaft ist auf Grund der gestiegenen Preise der Verbrauch von Milchprodukten auf den niedrigsten Stand der letzten 29 Jahre gefallen, also seit der Hyperinflation unter Präsident Alfonsin.

Ebenso ist der Konsum von Fleischprodukten auf einem historischen Tiefstand. In anderen Ländern mag dieses für ein Luxusproblem gehalten werden, in Argentinien ernährt sich jedoch ein großer Teil der Bevölkerung traditionell von Rindfleisch. Der Einbruch der Verkaufszahlen ist immer ein Indikator für eine tiefe Krise.

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