Menschenrechtskommissarin der UN fordert Ende der Gewalt in Chile

Genf/Santiago de Chile. Die Hochkommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Michelle Bachelet, hat am Montag alle politischen Akteure und Vertreter der Zivilgesellschaft in Chile aufgefordert, politische Gespräche zu führen, um "die Polarisierung von Wort und Tat" zu vermeiden. In dem südamerikanischen Land ist es in den vergangenen Tagen zu massiven Protesten gekommen. Auslöser war die Erhöhung der Fahrpreise für U-Bahnen. In Folge breiteten sich Proteste gegen soziale Missstände im ganzen Land aus. Die Regierung von Präsident Sebastián Piñera mobilisierte daraufhin die Armee, erklärte den Ausnahmezustand und verhängte Ausgangssperren.

In der Erklärung Bachelets ist von bislang acht Toten die Rede. Diese Zahl könnte nach verschiedenen Quellen auf 13 ansteigen. Darüber hinaus wurden nach Angaben des Nationalen Menschenrechtsinstituts Chiles weitere 44 Menschen verletzt, neun von ihnen schwer. 283 Menschen sollen im Verlauf der Proteste bislang verhaftet worden sein. Das Innenministerium seinerseits informierte über 1.906 Festnahmen im ganzen Land. Bachelet, die diese Zahlen veröffentlichte, war zwischen 2006 und 2018 zwei Mal selbst Präsidentin des südamerikanischen Landes.

In der vergangenen Woche hatte Piñera angewiesen, die Preise für U-Bahn-Fahrkarten zu erhöhen. Aus Protest dagegen riefen Studierende massiv zum Schwarzfahren auf. Die Situation verschärfte sich ab Freitag, als Unbekannte mehrere U-Bahn-Stationen und Busse in Brand setzten. In mehreren Städten des Landes kam es zu Plünderungen. Die Regierung verhängte daraufhin in zehn der 16 Regionen Chiles den Ausnahmezustand und richtete eine Ausgangssperre in Santiago und zwei umliegenden Provinzen ein. Sie mobilisierte auch die Armee in Santiago und anderen Städten. Augenzeugen berichten von Schüssen auf Demonstranten. Entsprechende Zwischenfälle sind auch auf Videos dokumentiert.

Während einer Pressekonferenz in New York sagte der Sprecher des UN-Generalsekretärs, António Guterres verfolge die Entwicklungen in Chile aufmerksam. Guterres schließe sich der Meinung an, dass in Chile nun Spannungen abgebaut und eine friedliche Lösungen gefunden werden muss.

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