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Peru: Verhaftung von 14 Anwälten wegen Annahme von Bestechungsgeldern von Odebrecht

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Konzerngebäude von Odebrecht in Lima.
Insgesamt 15 Anwälte sollen Bestechungsgelder von Odebrecht angenommen und damit Schiedsverfahren zugunsten des Konzerns entschieden haben.

Lima. Die peruanische Justiz hat eine 18-monatige Untersuchungshaft gegen 14 Anwälte verhängt, die Bestechungsgelder des brasilianischen Baukonzerns Odebrecht angenommen haben sollen. Die Beschuldigten sollen in Schiedsverfahren zu Bauprojekten für den peruanischen Staat zugunsten von Odebrecht entschieden haben. Richter Jorge Chávez Tamariz erteilte die Untersuchungshaft wegen drohender Fluchtgefahr. Nicht verhaftet wurden Emilio Cassina Rivas, der wegen seines Alters einen 18-monatigen Hausarrest erhielt, und sein Sohn Emilio David Cassina Ramón, gegen den keine ausreichenden Beweise vorlagen.

Wegen illegaler Vereinigung, Absprachen und Geldwäsche hatte die Staatsanwaltschaft zuvor Strafen von 36 Monaten gefordert. Chávez befand, dass die Beweislage dafür zu dünn ist. Lediglich die Annahme von Bestechungsgeldern sah der Richter bestätigt. Zwischen 2003 und 2016 hatten die Anwälte Schiedsverfahren zwischen Odebrecht und den peruanischen Staat zur Durchführung von Bauprojekten durchgeführt, darunter die Autobahnen "Interoceánica" und "San José de Sisa". Durch die manipulierten Verhandlungen soll dem peruanischen Staat nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von rund 200 Millionen US-Dollar entstanden sein.

Nur fünf der 16 Angeklagten waren während der Verhandlungen anwesend und wurden anschließend verhaftet. Gegen alle anderen wurde Haftbefehl erlassen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wiesen die Anwälte die Vorwürfe zurück. Ihre Verteidigung kündigte nach der Anhörung an, Berufung einlegen zu wollen. Kurz nach Bekanntgabe des Urteils fand sich auch der Rechtsanwalt Alejandro Álvarez Pedroza am Verhandlungsort ein, um sich der Justiz zu stellen. Álvarez war einen Tag, nachdem die Staatsanwaltschaft Haft gegen ihn angeordnet hatte, in die Vereinigten Staaten gereist. Er kehrte nach Peru zurück, nachdem die USA ihm die Einreise verweigert hatte.

Mit dem Prozess wird ein weiteres Kapitel von "Lava Jato" verhandelt. Der Korruptionsfall um den Bauunternehmer Odebrecht gilt als der größte in der Vergangenheit Lateinamerikas. Die Baufirma hat nach eigenen Angaben in zehn Ländern der Region einflussreiche Politiker bestochen, um lukrative Aufträge zu bekommen. Auch die vier ehemaligen Präsidenten Ollanta Humala, Alan García, Alejandro Toledo und Pedro Pablo Kuczynski sollen darin verwickelt sein. Erst am 28. Oktober hatte die Richterin María Álvarez Camacho entschieden, dass Odebrecht rund 157 Millionen US-Dollar an den peruanischen Staat zurückzahlen muss. Die Summe hatte der Konzern für den Verkauf des Wasserkraftwerks "Chaglla" gefordert, das ebenfalls Teil des Netzes aus Bestechungen war.

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