Wirtschaftskrise in Venezuela: Präsident Maduro erwägt Dollarisierung

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Der Bolívar Soberano (Souveräner Bolivar, Bs.S) in Venezuela ist auch nicht mehr viel wert
Der Bolívar Soberano (Souveräner Bolivar, Bs.S) in Venezuela ist auch nicht mehr viel wert

Caracas. Venezuelas Präsident Nicolás Maduro hat die zunehmenden Transaktionen in US-Dollar im Land als ein nützliches "Überdruckventil" bezeichnet, das die Wirtschaft in der Rezession inmitten von US-Sanktionen und Devisenbeschränkungen beflügeln könnte.

In einem Fernsehinterview sagte Maduro, dass eine mögliche Dollarisierung "der Erholung und der Entfaltung der Produktivkräfte des Landes und dem Funktionieren der Wirtschaft dienen kann". Damit vollzog er einen offenen Paradigmenwechsel, denn zumindest bis 2018 lehnte er die Verwendung des US-Dollars in der Wirtschaft noch vehement ab. Derzeit würden die möglichen Optionen noch abgewägt, fügte Maduro hinzu. Er bestätigte aber zeitgleich, dass der Bolívar Soberano, die derzeitige Landeswährung, weiterhin als offizielles Zahlungsmittel zirkulieren werde.

Die venezolanische Währung hat alleine in diesem Jahr mehr als 90 Prozent an Wert verloren. Die Zentralbank gibt an, dass die Inflation im September auf 4.679 Prozent anwuchs. Damit sank die Kaufkraft der Bevölkerung, die vom Mindestlohn und Lebensmittelboni lebt, nach offiziellem Wechselkurs auf etwa zehn US-Dollar monatlich.

Trotz der seit 2018 mehrfach neu veröffentlichten Geldscheine mit höherem Wert führte der stetige Wertverlust zu einem Mangel an adäquaten Geldscheinen. Verschiedene Analysen gehen davon aus, dass de facto schon seit längerem bis zu 50 Prozent der Wirtschaftstransaktionen auf der Grundlage ausländischer Devisen stattfinden.

Seit 2003 wurde der Wechselkurs in Venezuela mit einem von der Zentralbank festgelegten offiziellen Kurs staatlich kontrolliert. Im letzten Jahr ist die Währungspolitik jedoch flexibler geworden. Die Überbewertung des Bolívars hatte von Beginn an zu einem parallelen Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt geführt, an dem sich viele Preise nichtstaatlicher Güter und Dienstleistungen orientierten. Die zeitgleich enorme Ausweitung der Geldmenge trieb dazu die Inflation an, was von kritischen Ökonomen schon früh beklagt wurde.

Aufgrund der strikten US-Sanktionen hat die venezolanische Zentralbank ihren Zufluss von Bargeld in Euro zu den lokalen Banken verdoppelt. Die Regierung und die staatliche Erdölgesellschaft PdVSA bezahlen sogar Auftragnehmer mit der europäischen Währung. Diese Devisen stammen aus dem Verkauf einiger Frachten von Rohöl und Gold.

In Reaktion auf die Äußerungen Maduros sagte der selbsternannte Interimspräsident und Oppositionsführer Juan Guaidó, Maduro habe einen Rückschlag in seiner makroökonomischen Politik sowie den Wertverlust der Landeswährung zugegeben. Maduro würde damit anerkennen, dass das Land faktisch dollarisiert sei, so Guaidó. "So sehr er auch vom Imperium spricht, erkennt er an, dass er unsere Währung nicht aufrechterhalten kann", so Guaidó weiter.

Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und den verschärften US-Sanktionen befinden sich nach Angaben der Vereinten Nationen bereits mehr als vier Millionen Venezolaner im Ausland.

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