Soziale Ungleichheit in Kolumbien steigt trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklung

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Der kolumbianische Präsident, Iván Duque, freut sich bei der Präsentation des UNDP.Berichts trotz manifestierter struktureller Ungleichheit in Kolumbien
Der kolumbianische Präsident, Iván Duque, freut sich bei der Präsentation des UNDP.Berichts trotz manifestierter struktureller Ungleichheit in Kolumbien

Bogotá. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) hat in seinem Human Development Report festgestellt, dass die bestehende strukturelle und soziale Ungleichheit in Kolumbien weiter ansteigt. Aus dem Bericht geht jedoch auch hervor, dass Kolumbiens HDI-Wert durch wirtschaftliche Erfolge steigen konnte. Der HDI-Index wird seit 1990 jährlich für die Kategorien Lebenserwartung, Einkommen und Bildung berechnet. Seit 2010 veröffentlicht die UNDP zeitgleich auch den IHDI (Inequality-adjusted HDI) und ergänzt den Index um die Mitberechnung von struktureller Ungleichheit. Kolumbiens Rating verliert darin 23,1 Prozentpunkte, wenn man den Index um soziale Ungleichheiten in den Bereichen Gesundheit und Bildung bereinigt.

Bis 2004 belegte Kolumbien im Human Development Index der Vereinten Nationen den 90. Platz und zählte damit zu den Ländern mit einer "mittleren menschlichen Entwicklung". Dieses Jahr ist es auf Platz 79 gestiegen und fällt somit erstmals unter die Kategorie der Länder mit "hoher menschlicher Entwicklung". Laut den Ergebnissen des Berichts ist die wirtschaftliche Armut im Land deutlich zurückgegangen, von 49 Prozent im Jahr 2002 auf 27 Prozent im Jahr 2018. Auch das Pro-Kopf-Einkommen stieg um 74,5 Prozent (von 7.392 auf 12.896 US-Dollar).

"Es ist nicht nur wichtig, beim Einkommen voranzukommen, obwohl Kolumbien in dieser Hinsicht einen Durchbruch erzielt hat. Wir müssen auch gegen das Entstehen neuer Ungleichheiten kämpfen […]", sagte Luis Alberto Rodríguez, Direktor der nationalen Planungseinheit. "Mit zunehmender Ungleichheit in einem Land nimmt auch der Verlust der menschlichen Entwicklung zu", heißt es im Bericht.

Ungleichheit "ist zweifellos eines der stärksten strukturellen Probleme in Lateinamerika, und wenn sie mit anderen Punkten zusammenwirkt, wird sie zu einem der destabilisierenden Faktoren", sagte Luis Felipe López-Calva, Direktor des UNDP für Lateinamerika und die Karibik.

Laut dem Bericht wurden in Lateinamerika im letzten Jahrzehnt Millionen von Menschen aus der Armut geholt, aber gleichzeitig ist sie – nach Subsahara-Afrika – die Region der Welt mit der größten sozialen Ungleichheit. Die Situation hat zu großer Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung geführt, sowohl in Kolumbien als auch in anderen lateinamerikanischen Ländern, die Zugang zu Grunddienstleistungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Verkehr oder Renten von den gewählten Regierungen fordern. Massive soziale Proteste, insbesondere in Kolumbien, Ecuador und Chile sind ein Beleg dafür.

In diesem Zusammenhang betonte Gómez, dass es ohne Zugang zu Technologie, Marktregulierung und einem Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels zu mehr Ausgrenzung und einer Zunahme der Ungleichheit in der Welt kommen wird.

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