Bolivien: Staatsanwalt weiß nichts von Interpol-Suche nach Evo Morales

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Nichts zu finden: Fahndungsliste von Interpol ohne Evo Morales
Nichts zu finden: Fahndungsliste von Interpol ohne Evo Morales

La Paz. In Bolivien ist die Staatsanwaltschaft Darstellungen der De-facto-Regierung entgegengetreten, nach denen der gestürzte Präsident Evo Morales von der internationalen Polizeibehörde Interpol gesucht wird. Generalstaatsanwalt Juan Lanchipa sagte, ihm sei von einer Fahnung durch Interpol nichts bekannt. Er trat damit Darstellungen von Arturo Murillo entgegen, der seit dem Sturz von Morales das Innenministerium kontrolliert. "Wir haben keine Fahnung von Evo Morales veranlasst", so Lanchipa.

Stunden zuvor hatte Murillo behauptet, ein internationaler Haftbefehl gegen Morales sei wegen der Delikte Aufruhr und Terrorismus in Kraft gesetzt worden. "Wir haben einen Haftbefehl gegen Evo Morales erlassen und Interpol um Hilfe gebeten. [...] Der internationale Interpol-Haftbefehl wurde in Kraft gesetzt, um sechs Uhr morgens habe ich das überprüft", so Murillo in einer Pressekonferenz.

Auf die Frage, ob eine sogenannte rote Ausschreibung gegen Morales ausgestellt wurde, antwortete Murillo: "Genau, das zeigt es an". Er fügte hinzu, dass der internationale Haftbefehl in allen Ländern in Kraft sei, in denen Interpol Verfügungsgewalt hat, und in allen Ländern, die entsprechende Abkommen mit Bolivien geschlossen haben.

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Auf der offiziellen Interpol-Suchseite erscheint der Name von Evo Morales jedoch nicht auf der Liste der gesuchten Personen mit rotem Stempel. Unter 7.191 gesuchten Personen wird kein Treffer angezeigt.

Morales reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter: "Früher, als ich ein führender Aktivist war, erklärten mich die Rassisten zur persona non grata; als indigener Präsident fordern sie jetzt meine Verhaftung."

Die bolivianische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Morales wegen seiner angeblichen Verantwortung für Aufruhr, Terrorismus und Finanzierung des Terrorismus. Die Anklage stützt sich auf eine Tonaufnahme, die das Innenministerium veröffentlicht hat. Darin soll Morales zu hören sein, wie er einem Anführer der Kokabauern, Faustino Yucra, per Telefon Anweisungen gibt, Städte zu umzingeln und die Nahrungsmittelzufuhr zu kappen. Die Authentizität der Aufnahme wird in Bolivien und international in Frage gestellt.

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