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USA schieben mit dem Coronavirus infizierte Migranten nach Guatemala ab

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Arme Familien hissen weiße Fahnen vor ihrem Haus, um zu signalisieren, dass sie dringend Hilfe brauchen
Arme Familien hissen weiße Fahnen vor ihrem Haus, um zu signalisieren, dass sie dringend Hilfe brauchen

Guatemala-Stadt. Die USA deportieren wieder verstärkt guatemaltekische Migranten. Manche von ihnen haben sich offenbar mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 angesteckt. Laut einem später revidierten Statement des Gesundheitsministers von Guatemala, Hugo Monroy, seien 50-75 Prozent der zurückgeführten Personen infiziert. Später ruderte er zurück und präzisierte, dass er sich bei seiner Aussage auf einen bestimmten Flug im März bezogen habe.

In Guatemala steht das öffentliche Leben ebenso still wie in anderen Teilen der Welt: Schulen, Bibliotheken, Werkstätten und Restaurants bleiben geschlossen. Im Land herrscht Ausnahmezustand. Die Regierung hat schon früh drastische Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Seit dem 22. März darf sich zwischen 16 und 4 Uhr niemand draußen aufhalten. Die Vorgaben werden durch die Sicherheitskräfte rigoros überwacht.

In den letzten Tagen wird vermehrt berichtet, dass hungernde Familien weiße Fahnen vor ihrem Haus aufhängen, um der staatlichen Verwaltung oder karitativen Organisationen zu signalisieren, dass sie dringend auf Hilfe angewiesen sind. Dies zeigt die Not, in der sich viele Bürger befinden.

Als gesichert gilt, dass infizierte Personen deportiert wurden. Monroy, der die USA als "Wuhan Amerikas" bezeichnete, hat diesen Umstand genutzt, die Regierung von Donald Trump für die Verbreitung des Virus in Guatemala die Schuld zu geben. Er behauptete sogar, dass mindestens die Hälfte aller bestätigten Corona-Fälle in Guatemala abgeschobene Migranten seien.

Diese Aussagen schüren Ressentiments gegen die Deportierten. So versammelte sich in Quetzaltenango am 15. April trotz Ausgangssperre eine aufgebrachte Menschenmenge und wollte die Unterbringung der zurückgeführten Migranten in ihrer Nachbarschaft verhindern

Die Praxis der Rückführungen wurde ab dem 13. April wieder aufgenommen, nachdem sie in der Karwoche ausgesetzt war. Guatemalas Außenminister, Pedro Brolo ließ zwar verlauten, dass Verhandlungen mit den USA geführt würden, damit das Risiko der Deportation von Infizierten vermindert werden könne. Doch nun berichten Medien, dass an diesem Tag 44 infizierte Personen nach Guatemala ausgeflogen wurden.

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