Costa Rica: Ein Jahr vergangen seit Massenentlassungen in Karibikhafen

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Insgesamt 1.100 Personen verloren 2019 ihre Arbeit in den Hafenanlagen
Insgesamt 1.100 Personen verloren 2019 ihre Arbeit in den Hafenanlagen

Limón, Costa Rica. In Costa Rica haben Gewerkschaften und Medien in den vergangenen Wochen der Massenentlassungen bei der Fruchthandelsgesellschaft Chiquita Brands Costa Rica im Hafen von Limón vor einem Jahr gedacht. Einige Hafenarbeiter hatte damals ihre Kündigung erst einen Tag vor Schließung des Hafens per Whatsapp erreicht. Andere, die montags regulär zur Arbeit erschienen, fanden das Werkstor verkettet vor. Chiquita Brands Costa Rica teilte ihren 175 Beschäftigten kurzerhand mit, dass die Hafenanlage an der costa-ricanischen Karibikküste schließen werde.

Laut einem offiziellen Schreiben war die Neueröffnung eines nahegelegenen Containerterminals der Grund. Am 1. März 2019 eröffnete nach mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit der neue zentrale Containerhafen in der karibischen Provinz Limón. Laut Chiquita sahen die Nutzungsrechte des neuen Verladehafens vor, dass ausschließlich die niederländische Betreiberfirma APM Terminals in diesem operieren dürfe. Aus diesem Grund habe man die gesamte Belegschaft entlassen müssen.

Die Beschäftigten des Hafens und die dort aktive Gewerkschaft Sintracobal sehen jedoch einen anderen Grund. "Es war eine glatte Lüge", bekundet der Gewerkschaftssekretär Maikol Hernández. "Die Schließung ist auf eine Unternehmensstrategie des Outsourcings, der Zerschlagung der Gewerkschaft sowie der Missachtung der Tarifverträge und in der Vergangenheit erzielter Übereinkünfte zurückzuführen."

Im Januar 2018 hatte Chiquita bereits versucht, 110 Beschäftigte zu entlassen. Daraufhin kam es zu Arbeitskämpfen. Ein Gericht erklärte die Kündigungen schließlich für nicht rechtens. Nach Verhandlungen kam es zu Übereinkünften zwischen der Belegschaft und Chiquita Brands, die unter anderem die Einführung monatlicher Gespräche zwischen beiden Parteien vorsahen. "Sie nutzten die Gespräche, um uns abzulenken, während sie ihren Plan schmiedeten", versichert Hernández.

Während des ganzen Monats März 2019 versuchten die Arbeiterinnen und Arbeiter, durch öffentliche Proteste gegen die Kündigungen vorzugehen. Ohne Erfolg. Daraufhin reichte die Gewerkschaft Klage wegen zahlreicher Verstöße ein. Bis heute hat ein Gericht nur die Wiedereinstellung einer Mutter in Elternzeit angeordnet. Nur 20 der Entlassenen haben bis heute eine Neuanstellung gefunden.

Fast zeitgleich wurden auch andere Hafenanlagen in der Nähe geschlossen. Insgesamt 1.100 Personen verloren dadurch ihre Arbeit. Neben Chiquita, der früheren United Fruit Company, schloss auch der Obstmulti Dole seinen Hafen.

Die Gewerkschaften hatten daraufhin mit der regionalen Entwicklungskommission ein Weiterbildungs- und Umschulungsprogramm gestartet. 350 Arbeiterinnen und Arbeiter haben bislang an den Programmen teilgenommen. Für den Mai wird erwartet, dass 330 von ihnen das Programm erfolgreich abschließen werden.

Die Karibikprovinz Limón weist die höchsten Armutsquoten, Kriminalitätsraten und Arbeitslosenzahlen des Landes auf. Die Provinz lebt hauptsächlich von großen Obstplantagen und den Häfen, über die der Großteil des Warenverkehrs des Landes abgewickelt wird.

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