Chile / Soziales

Gesundheitssystem in Chile an seinen Grenzen

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Covid-19-Kranke werden aus Santiago nach Concepción verlegt, um die Kliniken in der Metropolenregion zu entlasten
Covid-19-Kranke werden aus Santiago nach Concepción verlegt, um die Kliniken in der Metropolenregion zu entlasten

Santiago. Chiles Präsident Sebastian Piñera hat Fehler seiner Regierung beim Management der Covid-19-Krise eingeräumt. Allerdings kritisierte er gleichzeitig die Prognosen für Infektions- und Todeszahlen. Viele davon hätten sich in den letzten Monaten "als wenig genau" herausgestellt und sich "von der Wahrheit entfernt".

Vergangenen Montag veröffentlichte das Institut für Gesundheitsmessdaten und Evaluation (IHME) der Universität Washington einen Bericht mit aktualisierten Prognosen für die durch den neuraritgen Coronavirus bedingten Infektions- und Todeszahlen in Südamerika. Neben Brasilien und Peru fallen die Zahlen für Chile dramatischer aus als noch Mitte Mai erwartet. Für Anfang Juli prognostiziert das IHME täglich 236 Todesfälle, mit einer Schwankungsbreite zwischen 60 und 600. Allerdings ruft Pablo Villalobos, Wissenschaftler im Bereich öffentliche Gesundheit und Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO), aufgrund dieser möglichen Variationen dazu auf, die Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren. Grund dafür sei aktuell die fehlende Information über Covid-19-Zahlen.

Unterdessen stößt das Gesundheitssystem an seine Grenzen. Die chilenische Gemeinschaft für Intensivmedizin berichtete am Sonntag, dass in manchen Teilen Santiagos die Auslastung der Betten zwischen 96 und 99 Prozent liegt. Um den Kollaps der Krankenhäuser vorzubeugen, wurden zusätzliche Betten eingerichtet, Beatmungsgeräte gekauft, das Personal aufgestockt und Patienten in andere Städte des Landes gebracht. Allerdings zeigen sich Ärzte bei den weiter steigenden Zahlen besorgt über die Entwicklung.

Während in Santiago, Iquique und Alto Hospicio im Norden sowie Lonquimay im Süden die Quarantänemaßnahmen bis vorerst 5. Juni verlängert wurden, gilt dies nicht für alle Städte des Landes.

Am heutigen Freitag um 22 Uhr wird die Quarantäne in Antofagasta sowie Mejillones im nördlichen Teil des Landes aufgehoben. Die Bürgermeisterin von Antofagasta, Karen Rojo, sieht das mit Sorge: "Die Quarantäne kam sehr spät und wird heute bei den schlechtesten Aussichten wieder aufgehoben", kommentiert sie die Entscheidung des Gesundheitsministeriums. Die Verfügbarkeit der Intensivbetten in der Stadt sei weiter prekär und es gebe noch zu wenige verlässliche Zahlen über das aktuelle Infektionsgeschehen und Ansteckungsherde.

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