Kolumbien: Vertreibung indigener Familien im Departamento Choco

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Familien der Embéra Dóbida-Gemeinschaft flüchteten am 21. Mai zum Teil mit Booten (Screenshot)
Familien der Embéra Dóbida-Gemeinschaft flüchteten am 21. Mai zum Teil mit Booten (Screenshot)

Alto Baudó. Mehr als 300 Familien der indigenen Embéra Dóbida haben ihr Schutzgebiet im Nordwesten Kolumbiens wegen Auseinandersetzungen zwischen bewaffneten illegalen Gruppierungen verlassen müssen.

Um die 1.300 Personen der Embéra Dóbida-Gemeinschaft im indigenen Gebiet Catrú in der Gemeinde Alto Baudó im Departamento Choco haben am 21. Mai ihre Häuser zu Fuß oder per Boot fluchtartig verlassen. Die Auseinandersetzungen zwischen den Paramilitärs der Autodefensas Gaitanistas de Colombia (AGC), auch Clan de Golfo genannt, und der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) ließen ihnen keine andere Wahl.

Die Mission der Unterstützung des Friedensprozesses in Kolumbien der Organisation der Amerikanischen Staaten reagierte auf die massive Vertreibung und verlangte, dass die Angriffe auf ethnische Gemeinschaften aufhören. Die Behörden forderte sie auf, die Bevölkerung dieses Gebietes zu schützen.

Die humanitäre Krise wegen der bewaffneten Auseinandersetzungen hat im Jahr 2019 begonnen, als mutmaßlich die ELN mehrere Personen entführte. Unter diesen befand sich auch ein Kandidat für das Amt des Bürgermeisters. Danach ermordeten die AGC einen Jugendlichen. Obwohl die Ombudsbehörde eine Frühwarnung wegen der Zusammenstöße zwischen den bewaffneten illegalen Gruppierungen herausgab, kam es zu weiteren Morden und zu größeren Vertreibungen.

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Laut dem Bürgermeister von Alto Baudó, Ulises Palacios, kommen solche Vertreibungen und die Verhängung von Ausgangssperren seit August des vergangenen Jahres immer wieder vor. Die Zusammenstöße zwischen Paramilitärs und Guerilla hätten auch seit der aufgrund der Corona-Pandemie verordneten Quarantäne nicht aufgehört und "hinterlassen uns tote, enthauptete und verstümmelte Personen. Die Gemeinschaften verlassen ihre Siedlungen, um ihr Leben zu retten", so Palacios.

Nach einer Intervention der Armee und der Behörden kehrten die vertriebenen Familien nach Angaben der Nationalen Indigenenorganisation (ONIC) am 23. Mai freiwillig wieder in ihre Häuser zurück.

Wegen des bewaffneten Konflikts wurden im ersten Trimester dieses Jahres in Kolumbien mehr als 10.000 Personen vertrieben und 7.300 Personen leben mit einer Ausgangssperre, so das Amt der Vereinten Nationen für die Kordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA).

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