Kolumbien: Rassistische Polizeigewalt? – Tod eines Afrokolumbianers schlägt Wellen

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Der Tod des jungen Anderson Arboleda eröffnete eine neue Rassismus-Debatte in Kolumbien
Der Tod des jungen Anderson Arboleda eröffnete eine neue Rassismus-Debatte in Kolumbien

Bogotá/Cali. Der Tod eines jungen Afrokolumbianers hat in den letzten Tagen eine neue Debatte um strukturellen Rassismus in den kolumbianischen Sicherheitsbehörden eröffnet. Anderson Arboleda war bereits vergangenen Monat in Puerto Tejada nahe der Stadt Cali an den Folgen mehrerer Schläge auf den Kopf, die ihm bei einer Polizeikontrolle zugefügt worden waren, gestorben. Im Zuge der weltweiten Solidaritätsbekundungen im Fall George Floyd hat die Tat nun auch in Kolumbien Diskussionen ausgelöst.

Nach Angaben der Mutter des Getöteten wurde er am späten Abend des 19. Mai von einer Polizeistreife angehalten, als er gerade zusammen mit seiner Freundin das Haus seiner Großmutter betreten wollte. Es war 22:30 Uhr und bereits Sperrstunde. Die Tür sei verriegelt gewesen, deshalb hätte er klopfen und warten müssen. Als ihm zunächst niemand öffnete, begann die Polizei, ihn festzunehmen. Dabei hätten ihm die Beamten mit einem Schlagstock dreimal auf den Kopf geschlagen. Am nächsten Tag verstarb der 19-Jährige an den Folgen.

Die Polizei des Departamento Cauca setzte inzwischen eine Untersuchungskommission ein. "Wir stehen immer unmittelbar mit allen verfügbaren Ressourcen bereit, damit sich solche Fälle möglichst schnell aufklären", äußerte sich ihr Kommandant, Coronel Rosemberg Novoa.

Doch Kritiker bemängeln Verzögerungen bei den Ermittlungen. So ist die Identität der Polizisten immer noch nicht bekannt. Senator Juan Luis Castro von der Grünen Allianz (Alianza Verde) fordert Aufklärung. "Der Tod Anderson Arboledas verursacht Ohnmachtsgefühle in der [afrokolumbianischen] Community", betonte er. Ohne den Druck der Zivilgesellschaft und in den sozialen Netzwerken wäre der Fall untergegangen, so der Politiker.

Tatsächlich hatten vielen Stimmen auf Facebook den Fall aufgegriffen – darunter Prominente wie die "ChocQuibTown"-Sängerin Goyo und Reggaeton-Superstar J Balvin. Am Freitag veranstalteten Angehörige und Unterstützer der Familie Arboleda einen Demonstrationszug durch Puerto Tejada.

Aurora Vergara Figueroa, Direktorin des Zentrums für Afro-Diasporische Studien an der Universidad Icesi in Cali weist auf den tief verwurzelten Rassismus in der kolumbianischen Gesellschaft hin. "In Kolumbien gibt es Beweise, dass die Polizei ein diskriminierendes Verhalten gegenüber der afro-stämmigen Bevölkerung aufweist", erklärt die Professorin.

Jeder zehnte Kolumbianer definiert sich als schwarz oder afro-stämmig. Laut Verfassung genießt die Minderheit und ihre kulturelle Identität einen besonderen Schutz.

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