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Brasilien mit weltweit zweithöchster Anzahl an Toten durch Corona-Pandemie

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Brasilien leidet nach den USA weltweit am stärksten unter der Corona-Pandemie
Brasilien leidet nach den USA weltweit am stärksten unter der Corona-Pandemie

Brasília. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie Ende 2019 in China hat sich Brasilien zu einem globalen Hotspot entwickelt: Am 17. Juni hatte das Land mehr als 955.300 bestätigte Infektionen und 46.500 Todesfälle zu beklagen, die auf das neue Coronavirus Sars-CoV-2 zurückzuführen sind.

Das Gesundheitsministerium berichtete, dass die Zahl der Ansteckungen am 17. Juni binnen 24 Stunden einen neuen Tageshöchststand von mehr als 33.000 erreicht hat. Die Anzahl der wieder gesundeten Patienten betrug zu diesem Zeitpunkt mit 503.507 rund 52 Prozent der Infizierten.

Diese Entwicklung mündete in einer zunehmenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der aktuellen Regierung und Präsident Jair Bolsonaro. Der rechtsextreme Staatschef begegnete Protesten mit Gegenmobilisierungen seiner Befürworter, bei denen die von den Gesundheitsbehörden empfohlenen Mindestabstände nicht eingehalten wurden.

In Lateinamerika steht Brasilien inzwischen an der Spitze der von der Pandemie betroffenen Länder und ist weltweit – nur hinter den Vereinigten Staaten – auf Platz zwei bei Todesfällen und Neuansteckungen.

Seit den ersten offiziellen Infektionsfällen am 26. Februar hat São Paulo mit über 10.000 Todesopfern und mehr als 178.000 Infektionen am stärksten mit der Krise zu kämpfen. Es folgt Rio de Janeiro mit mehr als 7.000 Toten und 79.000 bestätigten Infektionsfällen. Weitere Risikoherde stellen ärmere Regionen im Norden und Nordosten des Landes dar, hierbei insbesondere die Bundesstaaten Ceará, Pará, Maranhão, Amazonas und Pernambuco.

Der Schutz der brasilianischen Wirtschaft und Wiederaufnahme der Arbeit sind Prioritäten von Präsident Bolsonaro. Dieser bezeichnete die Pandemie verharmlosend als "kleine Grippe" und sieht Auflagen wie Quarantäne als "Straftat" an. Trotz steigender Infektionskurve wird von den Bundesstaaten und Kommunen seit Anfang Juni eine schrittweise Öffnung durchgeführt, welche auf heftige Kritik von Experten aus dem Gesundheitsbereich stößt, da die Ansteckungsrate ungebrochen hoch ist.

Gleichzeitig sahen sich andere Bundesstaaten wie Paraná im Süden des Landes dazu gezwungen, aufgrund steigender Zahlen neue Restriktionen einzuführen. Dazu gehören unter anderem, dass Kinder nicht in Markthallen dürfen, der Konsum von alkoholischen Getränken auf der Straße nach 22 Uhr verboten wird und Einkaufszentren am Wochenende bis auf weiteres geschlossen werden.

Auch Universitäten des Landes wie die USP, Unicamp und die Unesp haben beschlossen, das Fernstudium im zweiten Semester 2020 beizubehalten und den Präsenzunterricht weiterhin auszusetzen.

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