Brasilien: Internationale Investoren fordern Ende der Abholzung im Amazonasgebiet

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Die Abholzung des Amazonasgebiets nahm 2019 um 34,4 Prozent zu
Die Abholzung des Amazonasgebiets nahm 2019 um 34,4 Prozent zu

Brasília/Oslo. "Mit Wahrheit und Arbeit" werde die Regierung von Brasilien einen offenen Brief von Investmentfirmen beantworten, in dem diese ein Ende der Entwaldung des Amazonasgebietes fordern. Dies erklärte Vizepräsident Hamilton Mourão am Donnerstag.

Insgesamt 29 Investmentfirmen aus Norwegen und acht anderen Ländern hatten Anfang der Woche ein entsprechendes Schreiben an die brasilianische Botschaften gerichtet und Gespräche mit den Regierungsvertretern eingefordert. Die Initiative ging vom norwegischen Investmentfonds Storeband Asset Management aus. Die Unterzeichner des Briefes verwalten laut Storebrand zusammen ein Vermögen von 3,75 Billionen US-Dollar.

In ihrem Brief drücken die Finanzdienstleister ihre "große Besorgnis" über die eskalierende Abholzung in den vergangenen Jahren aus. Allein von Januar bis März 2020 sei die Entwaldung im Amazonasgebiet im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent gestiegen. "Der Abbau der Umwelt- und Menschenrechtspolitik führt zu einer weit verbreiteten Unsicherheit über die Bedingungen für Investitionen oder die Bereitstellung von Finanzdienstleistungen in Brasilien", heißt es darin weiter.

Die Verfasser verweisen unter anderem auf geplante Regelungen, die die Besetzung von staatlichen Ländereien legalisieren und den Bergbau auf indigenem Land erlauben. Sie beziehen sich zudem auf die Aussage des brasilianischen Umweltministers Ricardo Salles, der jüngst bei einer Kabinettsitzung vorgeschlagen hatte, die Coronarvirus-Pandemie solle für die Lockerung von Umweltschutzregelungen für das Amazonasgebiet genutzt werden.

Der Brief warnt die Regierung von Präsident Jair Bolsonaro davor, dass Investitionen zurückgezogen werden könnten. Unternehmen mit brasilianischen Betrieben und Lieferketten könnten zunehmend Schwierigkeiten beim Zugang zu internationalen Märkten haben. Und: "Brasilianische Staatsanleihen werden wahrscheinlich als hohes Risiko angesehen, wenn die Entwaldung weitergeht."

Konsequenzen, falls die Regierung Bolsonaro nichts unternimmt, werden nicht genannt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet indes, mehrere europäische Finanzunternehmen ‒ darunter Unterzeichner des Briefes ‒ hätten erklärt, dass sie sich von Kapitalbeteiligungen in Brasilien trennen könnten, falls die Umweltzerstörung weitergehe.

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