Neue Studie: Privates Investment begünstigt Waldzerstörung im Amazonas

Globaler Klimawandel wird dadurch immer weiter beschleunigt. HRW warnt aus diesem Grund vor Abschluss des Freihandelsabkommens EU-Mercosur

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Die Abholzung von Regenwald schreitet, auch begünstigt von privatem Investment, immer weiter voran
Die Abholzung von Regenwald schreitet, auch begünstigt von privatem Investment, immer weiter voran

Brasília. Großflächige Landkäufe mit einer Fläche von mindestens 200 Hektar tragen zur Zerstörung der Tropenwälder bei, wie aus einer neuen Studie von Nature Geosciences hervorgeht. Die Studie hat die Folgen von mehr als 80.000 Kaufverträgen analysiert, die zwischen 2000 und 2018 in 15 Ländern Südamerikas, aber auch der Subsahara in Afrika und in Südostasien abgeschlossen wurden. Über drei Viertel dieser Übernahmen wurden laut Umfrage von ausländischen Investoren getätigt. Dabei steht auch besonders die Amazonas-Region im Mittelpunkt. Human Rights Watch (HRW) äußerte sich nun besorgt ob des mangelhaften Schutzes der Region, allen voran im Hinblick auf die anstehende Ratifizierung des Freihandelsabkommens zwischen Mercosur und Europäischer Union.

Die Untersuchung von Nature Sciences verglich die Aufzeichnungen über Verkäufe staatlichen Landes mit Satellitendaten über Veränderungen der Vegetationsbedeckung. Der großflächige Bergbau im gesamten Amazonasgebiet wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten am häufigsten mit der Waldzerstörung in Verbindung gebracht. In anderen Regionen waren Palmöl und Holz die Nutzungen, die am häufigsten die zunehmende Abholzung der Tropenwälder verursachten. Von 2000 bis 2018 verloren Brasilien, Kambodscha, Indonesien, Liberia, Malaysia und Mosambik durchschnittlich zehn Prozent ihrer Wälder.

Im Vergleich zu ähnlichen Gebieten ohne private Investitionen kam es in Gebieten mit großflächigem Landerwerb in 52 Prozent der Fälle zu einer verstärkten Entwaldung, wobei diese Rate jedoch von Land zu Land variierte.

Den Autoren der Studie zufolge begrüßen die Regierungen im globalen Süden diese Investitionen oft als Mittel zur potenziellen Erleichterung von Technologietransfers und Kapitalzuflüssen sowie zur Förderung der ländlichen Entwicklung und der Schaffung lokaler Arbeitsplätze. Kyle Davis, Umweltwissenschaftler an der University of Delaware, Newark, und der Columbia University, New York, ermahnte die politischen Entscheidungsträger davor, Maßnahmen zu ergreifen, um zu verhindern, dass diese Investitionen zu "großen Konzessionen für ihre Länder führen, einschließlich der Wälder, Gemeinden und Ökosysteme, die von ihnen abhängen".

Die Studie warnt auch vor den Klimaauswirkungen, die der Kauf von großen Grundstücken in Waldregionen haben kann. Fast ein Viertel des gesamten auf der Erde gespeicherten Kohlenstoffs befinde sich in den Tropenwäldern. Außerdem führe die Entwaldung zur Freisetzung dieses Kohlenstoffs in die Atmosphäre. Gegenwärtig sei die Abholzung der Tropenwälder für etwa acht Prozent aller vom Menschen verursachten CO2-Emissionen verantwortlich.

Die Untersuchung zeigt auch, dass in den meisten Ländern mehr Land in Waldregionen erworben wurde als ländliche Grundstücke oder Gebiete mit weniger Vegetation, wie z.B. Grasland bzw. Savannen. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Unternehmen derzeit ermutigt würden, in Aktivitäten zu investieren, die die Abholzung von Primärwäldern erfordern, so Charlotte Wheeler, eine Tropenwald-Forscherin an der Universität von Edinburgh, die nicht an der Studie beteiligt war.

Laut Weeler habe  auch der Goldabbau in den letzten Jahren in vielen Teilen des Amazonasgebietes zugenommen. Diese Art des Bergbaus könne für die Landschaft schädlicher sein, da nach Ansicht des Forschers großflächige Waldgebiete für die Gewinnung aus tief gelagerten Goldvorkommen abgeholzt werden müssen.

Eine eindeutig in diese Richtung gehende Politik der Abholzung und des Goldabbaus verfolgt die aktuelle brasilianische Regierung um Präsident Jair Bolsonaro. Aus diesem Grund sollte das Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay) und der EU, das noch den Ratifizierungsprozess zu durchlaufen hat, laut Human Rights Watch vorerst nicht in Betracht gezogen werden. Dies geht aus einer vergangene Woche veröffentlichten Presseerklärung der Non-Profit-Organisation hervor.

Das geplante Handelsabkommen beinhalte Verpflichtungen zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens und zur Bekämpfung der Entwaldung, die jedoch, insbesondere von der aktuellen brasilianischen Regierung, nicht eingehalten werde. Bolsonaro missachte nicht nur die Umweltverpflichtungen in dem Abkommen, er mache es auch zunehmend unwahrscheinlicher, dass selbst zukünftige brasilianische Regierungen in der Lage sein werden, diese Verpflichtungen einzuhalten, äußerte Maria Laura Canineu, Direktorin für Brasilien bei HRW.

Die illegale Entwaldung in Brasilien soll weitgehend von gewalttätigen kriminellen Netzwerken vorangetrieben werden, wie bereits aus einem HRW-Bericht aus dem Jahr 2019 hervorging. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2019 habe Bolsonaro zudem die brasilianische Umwelt- und Indigenenschutzbehörde sabotiert und versucht, die Umweltgruppen des Landes ins Abseits zu drängen. Die Entwaldung im brasilianischen Amazonasgebiet soll allein im Jahr 2019 um mehr als 80 Prozent zugenommen haben. Vorläufigen Daten zufolge, die auf Echtzeitwarnungen der brasilianischen Weltraumforschungsagentur basieren, habe die Entwaldung auch in diesem Jahr während der Covid-19-Pandemie weiter zugenommen. Auch gebe es immer mehr Bedrohungen gegen Waldschützer.

HRW warnte auch die EU-Kommission, das Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und des Mercosur nicht zu ratifizieren, solange Brasilien nicht den Amazonas-Regenwald effektiv schütze.

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