Lateinamerika / Politik

Ungebremste Corona-Ausbreitung in Lateinamerika auch unter Politikern

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Viele lateinamerikanische Politikerinnen und Politiker haben sich mit Covid-19 infiziert, darunter Jeanine Añez aus Bolivien
Viele lateinamerikanische Politikerinnen und Politiker haben sich mit Covid-19 infiziert, darunter Jeanine Añez aus Bolivien

Brasília et al. Die Länder Lateinamerikas haben mittlerweile nicht nur Nordamerika bei der Anzahl der Corona-Toten überholt, auch wurden in den letzten Tagen immer mehr Covid-19-Infektionen hochrangiger Politiker bekannt. Darunter sind Präsidenten, Minister und Gouverneure.

Die größte Aufmerksamkeit bekam sicherlich die in der vergangenen Woche öffentlich gemachte Erkrankung des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Er gilt seit Beginn der Pandemie als einer der größten Leugner des Virus und seiner Auswirkungen. Bolsonaro habe laut eigener Aussage zwar geringe Symptome gezeigt, kurze Zeit später sei es ihm jedoch schon wieder "sehr gut" gegangen. Nun nutzt er seinen anscheinend harmlosen Verlauf, um weiter Stimmung gegen Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens zu machen. Indigenen strich er vor wenigen Tagen dringend benötige Unterstützung.

Auch die De-facto-Präsidentin von Bolivien, Jeanine Áñez, hat sich infiziert. Sie habe aber keinerlei Symptome gezeigt und sei stabil. Zudem wurde der Wirtschaftsminister, Oscar Ortiz, positiv getestet, ebenso wie zuvor vier weitere Minister der Putsch-Regierung (Eidy Roca, Jorge Fernando Oropeza, Álvaro Coimbra und Yerko Núñez). Auch die derzeitige Senatspräsidentin, Eva Copa, ist Covid-19-positiv. Sie würde laut Verfassung Áñez vertreten müssen, sollte diese arbeitsunfähig sein. Überhaupt scheint die Lage in Bolivien immer weiter außer Kontrolle zu geraten. So gibt es mittlerweile auch aus dem Andenstaat Berichte von überlasteten Krankenhäusern, die Leichen vor den Gebäuden stapeln müssten.

In Venezuela sind zwei wichtige Politiker der Regierungspartei an Covid-19 erkrankt. Der Präsident der verfassungsgebenden Versammlung, Diosdado Cabello, wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt. Er berichtete am Sonntag von einer "harten, aber notwendigen Behandlung", in der er sich momentan befinde. Auch der Erdölminister, Tareck El Aissami, machte am Wochenende seine Erkrankung öffentlich.

Bereits in der vergangenen Woche hatte es aus weiteren lateinamerikanischen Ländern Meldungen über Covid-19-Infizierungen gegeben. In Chile waren drei Minister aus dem Kabinett von Präsident Sebastián Piñera erkrankt. Auch der Präsident von Honduras, Orlando Hernández, hatte im Juni seine Erkrankung bekanntgegeben. In Peru trifft es den Agrarminister, Jorge Montenegro Chavesta, in Argentinien erkrankte María Eugenia Vidál, die bis Dezember 2019 Gouverneurin der Provinz Buenos Aires war. Mexiko meldete positive Covid-19-Fälle der Gouverneure Francisco Domínguez (Querétaro), Omar Fayad (Hidalgo) und Adán Augusto López (Tabasco).

Aufgrund der nach wie vor ungebremsten Ausbreitung des Virus hat der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, nun von "nie dagewesenen Auswirkungen" gesprochen, die auf Lateinamerika und die Karibik zukämen.

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