Neuer WWF-Bericht belegt dramatischen Verlust der Biodiversität in Lateinamerika

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Lateinamerika hat im Schnitt einen noch größeren Verlust an Biodiversität als der Rest der Welt zu verzeichnen (hier ein Warnschild aus Costa Rica)
Lateinamerika hat im Schnitt einen noch größeren Verlust an Biodiversität als der Rest der Welt zu verzeichnen (hier ein Warnschild aus Costa Rica)

Quito. Die Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) warnt in ihrem neuen Living Planet-Bericht davor, dass die biologische Vielfalt an Tieren weltweit und insbesondere in Lateinamerika und der Karibik rapide schwindet. Der seit 1988 alle zwei Jahre herausgegebene Bericht misst die Populationen von fast 21.000 Arten von Säugetieren, Vögeln, Fischen, Reptilien und Amphibien weltweit.

Im globalen Durchschnitt sei die Artenvielfalt seit 1970 bereits um 68 Prozent zurückgegangen. Die Analyse basiert auf dem Living Planet Index (LPI), einer gemeinsamen Maßzahl von mehr als 40 Nichtregierungsorganisationen und wissenschaftlichen Instituten zum Monitoring von Veränderungen in der Fülle der Fauna des Planeten. Dieses Jahr umfasst der LPI fast 400 zusätzliche Arten und 4.870 Populationen mehr als der vorige, 2018 veröffentlichte Bericht.

In Lateinamerika ist das Ergebnis demnach noch gravierender: Hier beträgt der Rückgang im Durchschnitt 94 Prozent.

Die ernsthafteste Situation bestehe bei Süßwasserarten, Amphibien, Reptilien und Primaten. So leben in den 20 lateinamerikanischen Ländern von Südmexiko bis Nordargentinien 217 Affenarten. 40 Prozent der endemischen Primaten sind dem Präsidenten der Lateinamerikanischen Gesellschaft für Primatologie (SLAPrim), Leandro Jerusalinsky zufolge akut vom Aussterben bedroht. Nach Angaben der International Union for Conservation of Nature sind sogar bis zu 70 Prozent der  Primaten-Populationen in der Region rückläufig und zukünftig vom Aussterben bedroht.

Die Hauptbedrohungen sind die Zerstörung natürlicher Lebensräume wie Wälder, Feuchtgebiete, Grasland und Savannen für die großflächige Anlage neuer Äcker und Rinderweiden, der Raubbau an Arten, die Überfischung der Ozeane, der Klimawandel und die Einführung exotischer Arten.

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Während der Ausbau von Städten und Infrastruktur nur eine Ursache der Landnutzungsänderungen sei, entfalle die größte Flächeninanspruchnahme auf die Nahrungsmittelproduktion. Sie ist für 80 Prozent der weltweiten Entwaldung, 30 Prozent der Treibhausgas-Emissionen und 70 Prozent des Verlusts der biologischen Vielfalt durch die Zerstörung von Lebensräumen verantwortlich.

Nach Aufassung des Direktors für Naturschutz und Regierungsführung beim WWF Kolumbien, Luis Germán Naranjo, sei die Menschheit an einem Punkt angelangt, an dem es kein Zurück mehr gebe. Sollte die Art und Weise der Nahrungsmittelproduktion bis 2050 nicht geändert werden, müsste bis zu einem Viertel der global verfügbaren Fläche für den Anbau genutzt werden.

Der Living Planet-Bericht bestätigt die alarmierenden Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Landnutzungsänderungen, Klimawandel und globalem Artensterben, die 2019 der Welt-Biodiversitätsrat (IPBES) sowie der Weltklimarat dokumentiert haben.

Der IPBES-Report empfiehlt politischen Verantwortungsträgern acht Interventionspunkte für eine nachhaltige Transformation. Das globale Finanz- und Wirtschaftssystem müsse sich vom derzeitigen Paradigma des Wirtschaftswachstums abwenden, den Gesamtkonsum und Abfälle stark verringern und die ökologischen und sozialen Folgekosten bepreisen, die aus dem Handel und der Verknüpfung weit entfernter Landnutzungssysteme entstehen.

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