Neuer Druck auf Venezuela? US-Außenminister bereist Nachbarländer

Treffen mit Venezolanern in Brasilien. In Guyana und Suriname wirtschaftliche Kooperation im Fokus. Besuch in Kolumbien begleitet von Militärübung

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US-Außenminister Mike Pompeo kommt in letzter Zeit regelmäßig zu Besuch in die Region, so wie hier im Januar beim kolumbianischen Präsidenten Iván Duque
US-Außenminister Mike Pompeo kommt in letzter Zeit regelmäßig zu Besuch in die Region, so wie hier im Januar beim kolumbianischen Präsidenten Iván Duque

Washington/Bogotá. Vom heutigen Donnerstag bis zum kommenden Sonntag reist der Außenminister der USA, Mike Pompeo, nach Brasilien, Suriname, Guyana und Kolumbien. Die Besuche in diesen vier Ländern haben für die Außenpolitik der USA eine besondere Bedeutung, vor allem aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zu Venezuela. Speziell die Treffen in Brasilien und Kolumbien nähren laut Beobachtern den Verdacht, es könnte zu einem weiteren Versuch kommen, den Druck auf die venezolanische Regierung zu erhöhen.

Offiziell äußerte das US-Außenministerium, Zweck der Reise sei "das Engagement der Vereinigten Staaten hervorzuheben, die Demokratie zu verteidigen, Covid-19 zu bekämpfen und gleichzeitig unsere Volkswirtschaften nach der Pandemie wiederzubeleben und die Sicherheit angesichts der regionalen Bedrohungen zu stärken".

In Brasilien sind Gespräche mit dem brasilianischen Außenminister Ernesto Araujo angesetzt. In der Stadt Boa Vista im brasilianischen Bundesstaat Roraima in der Grenzregion zu Venezuela will sich Pompeo zudem am Freitag mit venezolanischen Migranten treffen. Er wolle denjenigen Unterstützung zusichern, die "vor einer menschengemachten Katastrophe geflohen" seien, so ein offizielles Statement seines Ministeriums. 

Die Besuche in Suriname und Guyana dürften auch im Kontext der dort kürzlich erfolgten Regierungswechsel stehen. Insbesondere die neue Regierung von Guyana scheint es den USA angetan zu haben. Nach monatelangem Hinauszögern der Bekanntgabe der offiziellen Wahlergebnisse amtiert dort nun Mohamed Irfaan Ali. Dessen Amtsübernahme war von der US-Regierung begrüßt und die Verzögerung der Bekanntgabe der Wahlergebnisse zudem relativ unkritisch begleitet worden.

Guyana wird in den kommenden Jahren wirtschaftlich sehr stark von kürzlich gemachten Erdöl- und Erdgasfunden profitieren können. Die Zeitung Starbroek News, die der nun abgewählten Regierung nahesteht, kommentierte den Besuch Pompeos mit einem Hauch von Sarkasmus: Nur sechs Wochen seien vergangenen, bis die US-Regierung Ali hochrangig die Aufwartung mache. Aber auch das Thema Venezuela dürfte eine Rolle spielen, so die Meinung in Guyana. Zwischen Venezuela und seinem östlichen Nachbarland gibt es seit längerem diplomatische Spannungen wegen der Essequibo-Region und den dortigen Erdölvorkommen (amerika21 berichtete).

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Bei dem Besuch in der surinamischen Hauptstadt Paramaribo gehe es laut US-Außenministerium darum, "den Triumph der Demokratie zu feiern". Pompeo wolle beim Treffen mit dem neuen Präsidenten, Chan Santokhi, und dessen Kabinett "über eine größere bilaterale Zusammenarbeit und Partnerschaftsmöglichkeiten in den Bereichen Energie und Sicherheit diskutieren".

In Kolumbien will Pompeo schließlich am Samstag mit Präsident Iván Duque zusammenkommen. Kolumbien gilt als wichtigster Verbündeter in der Region bei den Regime Change-Ambitionen der US-Regierung bezüglich Venezuela und der Reaktivierung der Monroe-Doktrin in den letzten Jahren.

Erst Ende August hatte die Regierung Duque die Wiederaufnahme des Einsatzes der US-Spezialeinheit Security Force Assistance Brigade im Land genehmigt. Nun soll zwischen Freitag und Montag eine "kombinierte Übung" der beiden Luftstreitkräfte erfolgen. Diese soll nahe des Ortes Coveñas im Departamento Sucre stattfinden. Auch Schiffe der US Navy sollen daran teilnehmen, wie die kolumbianische Zeitung El Tiempo berichtet.

Offizielles Ziel sei "die Stärkung der Verfahren und Standards bei der Aufdeckung, Lokalisierung und Neutralisierung illegaler Aktivitäten im Dienste des transnationalen Drogenhandels", so eine offizielle Stellungnahme der kolumbianischen Streitkräfte.

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