Am Tag der Toten erinnern Aktivistinnen in Mexiko an Opfer von Feminiziden

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Als "Catrinas” geschminkte Frauen und Mädchen begleiteten die Kundgebung in Mexiko-Stadt mit Liedern (Screenshot)
Als "Catrinas” geschminkte Frauen und Mädchen begleiteten die Kundgebung in Mexiko-Stadt mit Liedern (Screenshot)

Mexiko-Stadt. Umrahmt von den traditionellen Gepflogenheiten zum Tag der Toten in Mexiko haben Frauen in der Hauptstadt und an anderen Orten des Landes der Opfer von Feminiziden im Land gedacht. Das laufende Jahr könnte erneut den Rekord an Morden brechen. Von Januar bis Juli wurden laut Polizei 2.240 Frauen umgebracht, rund drei Prozent mehr als 2019.

In Mexiko-Stadt hielten Aktivistinnen, die meisten von ihnen als traditionelle "Catrinas” (Skelette) geschminkt, eine Kundgebung zwischen dem Alameda-Park und dem sogenannten "Anti-Monument" für die Opfer der tödlichen Gewalt gegen Frauen aufgrund ihres Geschlechts vor dem Bellas Artes Palast ab. Sie verstreuten die orangenen Blütenblätter der Tagetes und stellten Kerzen und Fotos der Verstorbenen auf.

"Die Frauenmorde sind keine bloßen Zahlen, es sind Geschichten, die im Laufe der Zeit vergessen werden, nur ihre Familien denken noch an sie. Mädchen, die nicht einmal ihren 15. Geburtstag feiern durften und vom Schulweg, dem Einkauf, oder einem Besuch bei Freundinnen nicht nach Hause kamen", sagte eine Teilnehmerin des Marsches der Zeitung "La Jornada".

Norma Andrade, eine der bekanntesten Aktivistinnen gegen Feminizid in Mexiko, seit ihre Tochter vor 20 Jahren in Ciudad Juárez an der Grenze zu den USA getötet wurde, erklärte, dass ihr Kampf sich "gegen den Staat und die Regierenden" richte. "Sie sagen, wir hätten aus dem Kampf gegen Feminizid etwas Politisches gemacht, aber das waren sie selbst. Wir sind reif genug, um lediglich Gerechtigkeit für den Mord an unseren Töchtern zu fordern. Ich bin eine Mutter und will, dass es keine einzige ermordete oder verschwundene junge Frau mehr gibt."

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Aracely Osorio, deren Tochter Lesvy 2017 auf dem Campus der Nationalen Universität getötet wurde, betonte, dass die Gewalt gegen Frauen in Mexiko "ein Problem der Ungleichheit ist, der Frauenfeindlichkeit und des Machismus, der unsere gesamte Kultur durchdringt. Wir reden hier über die Diskriminierung von Frauen, es ist nicht nur ein Sicherheitsproblem."

Im Norden des Landes, etwa im Bundesstaat Sonora, dessen Kommunen regelmäßig in der Liste der Gemeinden mit der meisten Gewalt gegen Frauen auftauchen, fanden Frauen sich zu einer Mahnwache mit Kerzen ein. Sie machten darauf aufmerksam, dass die Lockdown-Maßnahmen im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung das Problem der Gewalt gegen Frauen noch verschärft haben. So habe sich die Zahl der Notrufe von Frauen von März bis August um 46 Prozent erhöht, gab die Antidiskriminierungsbehörde bekannt.

Die Demonstrierenden am Tag der Toten kamen aufgrund der Pandemiesituation mit Mund-Nasenschutz. An zahlreichen Orten wurde der Protest von vorneherein ins Internet verlegt.

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