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Brasilien: Bolsonaro nach "Verlust" von Trump als Verbündetem selbst in Defensive

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Verblasst das Bild von Jair Bolsonaro langsam, nachdem sein Verbündeter Donald Trump abgewählt wurde?
Verblasst das Bild von Jair Bolsonaro langsam, nachdem sein Verbündeter Donald Trump abgewählt wurde?

Brasilía. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro könnte nach den jüngsten Wahlergebnissen im In- und Ausland ins Schleudern geraten. Mit der Wahlniederlage von Donald Trump verliert er seine stärkste politische Stütze. Umgehend legte er sich mit dem künftigen Präsidenten der USA, Joe Biden, an. Die jüngsten Wahlen in Bolivien und die demnächst zu erwartenden Veränderungen in Chile und Ecuador ergänzen zudem ein Panorama, das zurück zur linken Mitte in Südamerika geht. Diese Tendenz zeigte sich auch bei den Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag in Brasilien, bei denen die von Bolsonaro gestützten Kandidaten eine herbe Niederlage einstecken mussten.

Der Präsident wartete, bis es nichts mehr abzuwarten gab, um Bidens Wahlsieg in den USA anzuerkennen. Als sich der definitive Vorsprung abzeichnete, tröstete er sich und seine Anhänger mit dem Ausspruch: "Ich bin nicht die wichtigste Person in Brasilien, so wie Trump nicht die wichtigste Person der Welt ist. Die bedeutendste Person ist Gott."

Bolsonaros Verhältnis zu Biden gilt bereits jetzt als angespannt. Die Kontroverse um den Amazonas war bereits Mittelpunkt einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den beiden.

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Biden warf dem Brasilianer in der Endphase seines Wahlkampfes vor, das globale Klimadebakel mit seiner Umweltpolitik zu beschleunigen. Während der ersten Debatte der Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden forderte Letzterer, man müsse Brasilien dazu bringen, den Regenwald im Amazonasbecken besser zu schützen. Angesichts der massiven Abholzungen und der riesigen Waldbrände unter der Regierung Bolsonaros seien die USA gefordert, mit "entsprechenden Mitteln eine Umkehr des südamerikanischen Riesen" zu bewirken. Dazu könnten auch Wirtschaftssanktionen gehören, so Biden. Falls der Zerstörung des Amazonas keine Grenzen gesetzt würden, habe Brasilien mit "bedeutenden wirtschaftlichen Konsequenzen" zu rechnen. Als Lösungsweg werde er, Biden, jedoch mit anderen Staaten sprechen. Gemeinsam sollte man der brasilianischen Regierung 20 Milliarden US-Dollar anbieten, damit sie die Entwaldung beende.

Sofort reagierte Bolsonaro: "Wir akzeptieren keine Bestechungsgelder, kriminellen Eingrenzungen oder hohlen Drohungen. Einige verstehen nicht, dass sich Brasilien verändert hat und über seine Souveränität nicht verhandelt." Der Leugner des Klimawandels verstieg sich zu einer unverblümten militärischen Drohung an die Macht im Norden: "Wenn einem die Spucke zum Dialog ausgeht, muss man zeigen, dass man auch Pulver zur Verfügung hat."

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