Mexiko / Politik

Mexiko: Ehemaliger Gouverneur von Jalisco getötet

Guadalajara, Jalisco. Der ehemalige Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Jalisco, Aristóteles Sandoval, ist vergangenen Freitag im Urlaubsort Puerto Vallarta getötet worden. Dies teilte der amtierende Gouverneur Jaliscos Alfaro wenige Stunden nach den Geschehnissen über soziale Medien mit.

Die Staatanwaltschaft gab inzwischen Details bekannt. Mindestens zwei Täter schossen gegen zwei Uhr morgens in der Toilette des Restaurants Distrito/5 auf den 46-jährigen Politiker. Sandoval wurde ins Krankenhaus gebracht, erlag jedoch seinen Verletzungen. Einer seiner 15 Begleitschützer wurde schwer verletzt. Ein anderer berichtete, die Lokalität sei zum Zeitpunkt des Attentats von mindestens 30 weiteren Auftragsmördern umstellt gewesen.

Angestellte des Restaurants säuberten unmittelbar nach dem Anschlag den Tatort. Dies führte zur Behinderung der Ermittlungen, die unter Beteiligung von Lokal-, Bundesstaats- und Bundesbehörden durchgeführt werden. Weiteres Beweismaterial kam abhanden, weil das Videoüberwachungsgerät des am Tatort gelegenen Platzes entwendet wurde. Festnahmen gab es bis zu diesem Zeitpunkt keine.

Der in Guadalajara geborene Sandoval, Mitglied der Partei der Institutionellen Revolution (PRI), war von 2013 bis 2018 Gouverneur des im Westen Mexikos gelegenen Bundesstaates. Er hatte erst vor kurzem seine politischen Aktivitäten wieder aufgenommen.

Der Politiker wurde während seiner gesamten Karriere immer wieder beschuldigt, mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung zu stehen. Bemerkenswert ist, dass in den vergangenen Jahren eine regelrechte Mordserie an Personen, die direkt oder indirekt mit dem Ex-Gouverneur zu tun hatten, zu verzeichnen war. Die Tötungen werden mutmaßlich dem Kartell “Jalisco Nueva Generación“ zugeschrieben.

Den Angehörigen des Ermordeten wurde von verschiedenen Seiten Bedauern und Beileid ausgesprochen. Präsident Andrés Manuel López Obrador verurteilte in seiner morgendlichen Konferenz den Mord, versprach die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und entsprechend zu bestrafen. Die Parteispitze der PRI bekundete ihr Beileid. Der Vorsitzende der Partei der Demokratischen Revolution (PRD) sah in der Tötung Sandovals eine Bestätigung, dass die aktuelle Sicherheitsstrategie "abrazos, no balazos" (Umarmungen, keine Kugeln) nicht zielführend sei.

Nach der Tat werden wieder vermehrt Stimmen aus den Bundesstaaten mit der Forderung nach konkreten Maßnahmen laut, um der Gewalt entgegenzutreten und die innere Sicherheit in Mexiko zu gewähren. Eine Zusammenkunft der Gouverneure der Bundesstaaten mit dem mexikanischen Staatsoberhaupt sei noch vor Jahresende notwendig.

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