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ELN-Guerilla weist Vorwürfe der Einmischung in Wahlen in Ecuador zurück

ELN wirft Regierung und Zeitschrift Semana Verbreitung falscher Meldungen vor und streitet entschieden ab. Quellen sollen Archive eines toten Kommandanten sein

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ELN widerspricht dem Online-Medium Semana, sie habe sich in den Wahlkampf in Ecuador eingemischt
ELN widerspricht dem Online-Medium Semana, sie habe sich in den Wahlkampf in Ecuador eingemischt

Bogotá/Quito. Die kolumbianische Nationale Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional, ELN) hat in einem Kommuniqué zurückgewiesen, in die internen Angelegenheiten des Nachbarlands Ecuador eingreifen zu wollen. Laut dem ELN-Führungsorgan seien dies "falsche Informationen" der kolumbianischen Nachrichtendienste.

Die Rebellen warfen der Zeitschrift Semana und dem Ecuadorianer Michael Bliemsrieder vor, solche "falschen Nachrichten" (Fake News) gezielt zu verbreiten. Bliemsrieder soll sie vor allem in den ecuadorianischen sozialen Netzwerken intensiv gestreut haben. Unter seinem Twitter-Profil steht unter anderem die Beschreibung "Katholik, rechts, Verteidiger des gesunden Menschenverstandes und Feind der Linken".

Weiterhin tadelt die bewaffnete Organisation den "Informationskrieg" der Regierung von Iván Duque. Sie wolle ihrerseits damit in den Wahlprozess in Ecuador eingreifen. Dasselbe habe die kolumbianische Regierung auch schon in Venezuela versucht. In beiden Fällen bedeutete dies einen klaren Verstoß gegen die Selbstbestimmung der Staaten, klagen die Guerilleros.

Dem "ecuadorianischen Volk" erklärt die ELN "Respekt und Dankbarkeit" wegen seiner Unterstützung bei den Friedensgesprächen, die die Rebellen in den letzten Jahren mit der kolumbianischen Regierung geführt haben.

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Am Wochenende hatte das Online-Medium Semana veröffentlicht, dass die ELN 80.000 US-Dollar für die Präsidentschaftswahl von Andrés Arauz beigetragen haben soll. Die Quellen von Semana sollen Organe des kolumbianischen Nachrichtendienstes sein. Die Informationen zu dem mutmaßlichen Geldbeitrag stammten aus elektronischen Geräten, die die Sicherheitskräfte im Lager des toten Kommandanten Andrés Felipe Vanegas, auch als "Uriel" bekannt, gefunden hätten. Uriel hatten die Streitkräfte im Oktober getötet.

Unter den beschlagnahmten Dokumenten des getöteten Kommandanten, die insgesamt 3,2 Terabyte groß sein sollen, hätten die Analysten des kolumbianischen Geheimdienstes auch Hinweise auf den Ex-Präsidenten von Ecuador, Rafael Correa, gefunden. In einer entschlüsselten schriftlichen Nachricht soll Uriel Allianzen der ELN mit der Progressiven Internationalen sowie "unserem Freund mit dem Gürtel" erwähnt haben. Da das Wort "Correa" auf Spanisch auch "Gürtel" bedeutet, mutmaßt der kolumbianische Geheimdienst, dass damit der Ex-Präsident gemeint sei.

Semana ist in den letzten Monaten von unabhängigen kolumbianischen Journalist:innen stark kritisiert worden. Sie werfen dem Medium vor, sich in ein Propagandaorgan des ultrarechten Ex-Präsidenten Álvaro Uribe und der Regierungspartei Centro Democrático verwandelt zu haben. Nachdem die konservative Skandaljournalistin Vicky Dávila die Leitung von Semana im Auftrag des neuen Besitzers und Bankiers Gabriel Gilinski im November übernommen hat, kam es zu einer Kündigungswelle von renommierten Investigativ-Journalist:innen der Zeitschrift.

Gilinski soll dem in Kolumbien breit bekannten Investigativ-Journalisten Daniel Coronell gesagt haben, er wolle Semana in ein kolumbianisches Fox-News verwandeln.

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