Kolumbien: Minderjährige stirbt bei Luftschlag der Armee

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Molano mit Angehörigen der Spezialeinheit Omega: "Bewunderung für ihr Engagement und ihre Hingabe, die Ruhe der Kolumbianer im Südosten des Landes zu sichern" (Tweet vom 14. März)
Molano mit Angehörigen der Spezialeinheit Omega: "Bewunderung für ihr Engagement und ihre Hingabe, die Ruhe der Kolumbianer im Südosten des Landes zu sichern" (Tweet vom 14. März)

Bogotá. Bei der Bombardierung eines Zeltlagers der Guerilla durch die Luftwaffe ist mindestens eine Minderjährige ums Leben gekommen. Der Verteidigungsminister rechtfertigte den Luftangriff der Armee und bezeichnete Jugendliche in den Reihen von nichtentwaffneten Farc-Strukturen als "Kriegsmaschinen". Bei der Operation hat das Militär nach offiziellen Angaben zwölf Personen getötet. Der Enthüllungsjournalist Hollman Morris hat darauf hingewiesen, dass es mehrere minderjährige Opfer geben könnte.

Die kolumbianische Armee führte den Luftschlag am 2. März in der Provinz Guaviare aus. Ziel des Angriffs war Gentil Duarte, Anführer einer Struktur der Farc, die sich nicht entwaffnet hat. Laut Angaben des Militärs wurden bei der Operation zwölf Menschen getötet und drei weitere festgenommen. Duarte ist wohl nicht unter den Opfern.

Einige Medienberichte gehen jedoch von weiteren getöteten Minderjährigen aus und veröffentlichten eine Liste mit den möglichen Opfern. Diese Information wurde von der Gerichtsmedizin als falsch eingestuft. Mittlerweile hat sie acht der Leichen identifiziert. Bis auf eine (30-jährige) Person sind alle Opfer unter 26 Jahre alt. Die Identität der anderen getöteten Personen ist noch nicht eindeutig.

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Der Verteidigungsminister, Diego Molano, trat inzwischen vor die Öffentlichkeit und rechtfertigte den Angriff der Armee. Dabei bezeichnete er Minderjährige in den Reihen der Farc als "Kriegsmaschinen" und sprach von einem legitimen Vorgehen. Die Aussagen des erst kürzlich vereidigten Ministers haben Empörung hervorgerufen. Menschenrechtsverbände und Opposition kritisierten die Einstellung der Regierung gegenüber Minderjährigen, die zwangsrekrutiert wurden. Die Operation könnte sich nach Einschätzung von Experten als völkerrechtswidrig darstellen, da die Armee von der Anwesenheit von Minderjährigen im Lager wusste.

Mehrere Angehörige von verschwundenen Jugendlichen aus der Region haben die Vertretung der Gerichtsmedizin in Villavicencio aufgesucht, wo die Leichen identifiziert werden. Die Namen ihrer Kinder erschienen vorher in der Liste mit den möglichen Opfern des Luftschlags. Sie fordern von den Behörden Antworten über den Verbleib der Kinder und werden dabei von Menschenrechtsorganisationen unterstützt.

2019 gab es bereits eine Kontroverse um einen Luftschlag der Armee gegen die Guerilla. Bei dem Angriff kamen acht Minderjährige ums Leben. Der damalige Verteidigungsminister, Guillermo Botero, trat nach großem öffentlichen Druck von seinem Amt zurück. Die kolumbianische Regierung sieht die Bombardierungen jedoch weiterhin als Mittel im Kampf gegen bewaffnete Akteure.

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