Ecuador: Agrarunternehmen wegen moderner Sklaverei schuldig gesprochen

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Unter widrigsten Bedingungen ließ der Agrarkonzern Furukawa Abacá anbauen (Symbolfoto)
Unter widrigsten Bedingungen ließ der Agrarkonzern Furukawa Abacá anbauen (Symbolfoto)

Santo Domingo de los Tsáchilas. Landarbeiter:innen haben sich im Kampf um ihre Rechte gegen das Unternehmen Furukawa Plantaciones del Ecuador durchgesetzt. Vergangene Woche wurde das historische Urteil am Gerichtshof von Santo Domingo de los Tsáchilas verkündet. Der ecuadorianisch-japanische Konzern, der die Faserpflanze Abacá anbaut und weiterverarbeitet, ist aufgrund massiver Menschenrechtsverletzungen zu finanziellen Entschädigungen gegenüber 123 Personen und zu öffentlichen Entschuldigungen verpflichtet worden. Den Betroffenen stehen außerdem fünf Hektar Land pro Person zu.

Zum ersten Mal in der Geschichte Ecuadors machte ein Gericht ein Agroindustrie-Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich.

Bereits seit seiner Gründung vor 60 Jahren hat Furukawa Landarbeiter:innen in der küstennahen Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas nach Angaben aus Erfahrungsberichten "ausgebeutet". Diese wurden von dem Unternehmen unter dem Mindestlohn bezahlt. Die Arbeiter:innen und ihre Familien lebten unter prekären Bedingungen – ohne Sozialversicherung und Arbeitsverträge in von Furukawa bereitgestellten Camps.

Viele der Landarbeiter:innen wurden aufgrund nicht vorhandener Arbeitsschutzmaßnahmen verletzt oder sogar verstümmelt. Ihre Kinder hatten keinen Zugang zu Bildung und in der Vergangenheit gab es Fälle von Kinderarbeit. Hinzu kommen Anschuldigungen, das Unternehmen habe die überwiegend afroecuadorianischen Landarbeiter:innen rassistisch behandelt.

Die Ausbeutung der Betroffenen steht in Zusammenhang mit einem in der Agroindustrie üblichen System von Mittelsmännern. Sie mieten Land von Furukawa und bezahlen die Arbeiter:innen je nach Produktionsmenge. So gelang es dem Unternehmen, sich seinen Pflichten als Arbeitgeber zu entziehen. Es macht nun seine Mittelsmänner verantwortlich.

Um gegen die inhumanen Zustände vorzugehen, haben sich vor drei Jahren 123 Landarbeiter:innen im Kollektiv “Furukawa Nunca Más“ (Nie wieder Furukawa) organisiert, das Unternehmen mit der Unterstützung von NGOs angezeigt und sich seitdem für ihren Fall eingesetzt. Furukawa reagierte auf den Protest, indem es die Hütten der betroffenen Landarbeiter:innen zerstörte. Das Urteil von letzter Woche untersagt dem Unternehmen nun jegliche Räumung der Wohnstätten.

Das Gericht macht außerdem den ecuadorianischen Staat mitverantwortlich. Warum das Ministerium für Arbeit die Missstände trotz jährlicher Kontrollen übersah, ist noch ungeklärt. Die Ministerien für Arbeit, Gesundheit sowie wirtschaftliche Inklusion und Soziales sind zu einer öffentlichen Entschuldigung und kontinuierlichen Kontrollen verpflichtet, da das Unternehmen "im errichteten System der Leibeigenschaft auf die Zustimmung des Staates zählte".

Abacá, auch als Bananenhanf oder Manilahanf bezeichnet, ist eine Pflanze aus der Familie der Bananenpflanzen. Sie wird für die Herstellung von Schiffstauen, Papier oder Teebeutel genutzt. Neben Ecuador als dem zweitgrößten sind die Philippinen der größte Exporteur der Faser – daher der Name Manilahanf.

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