Wie die Corona-Pandemie den Drogenhandel in Lateinamerika verändert

Wirtschaftliche Not und Arbeitslosigkeit lassen Drogenproduktion steigen. Drogenhandel mit dem Flugzeug aus Ecuador erreicht neuen Rekord

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In Bolivien wurden zuletzt zwei große Kokain-Produktionsstätten gefunden
In Bolivien wurden zuletzt zwei große Kokain-Produktionsstätten gefunden

La Paz et al. Die Geschäfte mit dem Anbau und Verkauf illegaler Drogen sind nach neuesten Meldungen aus Bolivien und Ecuador in Lateinamerika während der Covid-19-Pandemie angestiegen. Die Region durchlebt nicht nur eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen in ihrer Geschichte mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um rund acht Prozent, auch Armut und Ungleichheit stiegen in der Folge weiter an. Damit verschärft sich das Risiko, dass Drogenkartelle die wirtschaftliche Verwundbarkeit und Notlage von Familien, insbesondere junger Menschen, für ihre Zwecke ausnutzen. Gleichzeitig verändern sich die Transportmittel und -routen der Drogenhändler.

Während der Corona-Pandemie und der umstrittenen Regierung von De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez wurden in Bolivien die Zerstörung von Kokapflanzen durch die Anti-Drogen-Polizei reduziert und teilweise ausgesetzt. Laut Thierry Rostan, Vertreter des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung in Bolivien, gibt es "einen signifikanten Anstieg der Ernten, weil es letztes Jahr fast keine Ernteausrottung gab". Mittlerweile hat die Anti-Drogen-Polizei in den gewohnten Anbaugebieten Los Yungas und El Chapare die Zerstörung von Kokapflanzen wiederaufgenommen.

Vor wenigen Tagen gelang es nun laut bolivianischen Behörden, einen bedeutenden Schlag gegen die Kokainproduzenten im Lande zu erreichen, nachdem sie drei "Mega-Fabriken" in Waldreservaten und Nationalparks in der östlichen Provinz Beni, im Zentrum von Cochabamba und im südlichen Zentrum von Santa Cruz entdeckt und zerstört hatten. Nach eigenen Angaben hätten dort bis zu 910 Kilogramm Crack pro Tag produziert werden können.

Jaime Mamani, Vizeminister für soziale Verteidigung und kontrollierte Substanzen, sagte, dass die bolivianischen Anti-Drogen-Einheiten in den letzten vier Monaten eine Rekordmenge von 7,41 Tonnen Kokain beschlagnahmt hätten.

Der bolivianische Ex-Präsident Evo Morales (2006–2019), selbst ein ehemaliger Koka-Bauer, hatte die Quoten für den legalen Anbau der Pflanze erhöht. Diese wurden vom aktuellen Präsidenten Luis Arce beibehalten, aber alles, was über die vereinbarten Mengen hinaus angebaut wird, wird vernichtet.

Auch ein Stück weiter nördlich in Ecuador wird davon ausgegangen, dass die Beschränkungen aufgrund der Pandemie eine Zunahme von Kokainlieferungen mit Hilfe von Kleinflugzeugen zur Folge hat. Dadurch konnte die zeitweilige Schließung der wichtigsten Flughäfen in Ecuador ausgeglichen werden.

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Im Jahr 2020 sollen die ecuadorianischen Behörden 4,6 Tonnen Kokain beschlagnahmt haben, die in Flugzeugen von Ecaudor nach Mexiko transportiert werden sollten. Das ist ein Anstieg von 600 Prozent gegenüber 2019, als 772 Kilogramm Kokain beschlagnahmt wurden, die per Flugzeug nach Mittelamerika verschifft werden sollten. Während im Jahr 2018 offiziell keine Beschlagnahmungen von Drogen per Flugzeug stattfanden, haben die Anti-Drogen-Einheiten der Polizei 2021 bereits 630 Kilo Kokain sichergestellt und fünf Leichtflugzeuge beschlagnahmt.

Die Ergebnisse der Operationen seien dank der Koordination mit den ecuadorianischen Luftstreitkräften und der Zusammenarbeit mit Kolumbien, Mexiko und den Vereinigten Staaten verbessert worden, berichtet der Leiter der Drogenbekämpfung.

Das Kokain, das aus Ecuador "exportiert" wird, komme aus Kolumbien, das laut dem letzten Drogenbericht der Vereinten Nationen jährlich 1.260 Tonnen produziert. Nach Schätzungen der US-amerikanischen DEA verlassen jedes Jahr mehr als 500 Tonnen Kokain Ecuador, von denen der größte Teil in den USA verkauft wird. Im April 2021 befanden sich in Ecuador nach Angaben der Behörde etwa 128 geheime Flugplätze.

Nach der allmählichen Wiederaufnahme des Transits und des Personenverkehrs sollen Tonnen von Kokain, die an verschiedenen Punkten entlang der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze versteckt waren, im Auftrag von Abgesandten mexikanischer Kartelle, insbesondere von Sinaloa und Jalisco, über Landrouten zu Stränden, Häfen und geheimen Landeplätzen transportiert worden sein.

Ein Beamter des Antidrogengeheimdienstes berichtet gegenüber Primicias, dass die gesamte Transport- und Betankungslogistik im Voraus organisiert werde. Die Flüge fänden nachts oder in den frühen Morgenstunden statt. Die Flugzeuge starteten von Flugplätzen in Mexiko und überflögen die Pazifikküste in einer Höhe von weniger als 300 Metern, um nicht vom Radar erfasst zu werden. Unmittelbar nach der Landung sollen die Flugzeuge dann innerhalb von 30 Minuten mit bis zu 600 Kilogramm Kokain und Benzinkanistern beladen werden, um sie für den Rückflug zu betanken, der bis zu sieben Stunden dauere.

Auch wenn im Jahr 2020 mit der Beschlagnahmung durch die Behörden von insgesamt 128,4 Tonnen Kokain ein Rekord aufgestellt wurde, rechnen diese damit, dass die Zahl im Jahr 2021 noch höher sein wird. Zwischen Januar und April 2021 wurden bereits 54 Tonnen festgesetzt, bis Ende des Jahres werden etwa 136 Tonnen konfiszierter Ware erwartet.

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