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Brasilien: Drogenmafia führt "Generalangriff" auf Metropole im Amazonas

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Aus Rache griff das Drogenkartell Comando Vermelho in Manaus über 40 Ziele mit Brandsätzen an.
Aus Rache griff das Drogenkartell Comando Vermelho in Manaus über 40 Ziele mit Brandsätzen an.

Manaus. Das brasilianische Drogenkartell Comando Vermelho (Rotes Kommando) hat mehr als 40 öffentliche Ziele in Manaus und elf weiteren Städten des Bundesstaates Amazonas angegriffen.

Am Samstagmorgen begannen Kartellmitglieder, Brandsätze auf Busse, Bankfilialen, öffentliche Einrichtungen sowie Polizeistationen und Haftanstalten zu werfen und sich Schießereien mit der örtlichen Polizei zu liefern. Die Angriffe dauerten bis Dienstagnacht an. Es gibt keine Berichte von Verletzten oder Toten. Die Sicherheitskräfte nahmen eigenen Angaben zufolge bis Mittwoch 31 Personen fest, darunter auch ein elfjähriges Kind, das als "Späher" eingesetzt worden sein soll.

Mit den Angriffen will das Comando Vermelho offenbar den Tod eines Anführers rächen, den Polizist:innen der Sondereinheit Rocam bei einem Einsatz in der Nacht von Freitag auf Samstag erschossen. Nur kurze Zeit nach dem Tod erfolgten die ersten Angriffe. Medienberichten zufolge hatten Drogenbosse aus einem Gefängnis heraus den Befehl zum "Generalangriff" erteilt.

Wegen der Gewalt kam die Stadt am Sonntag und Montag teilweise zum Erliegen. Der Busverkehr und der Schulbetrieb wurden eingestellt, viele öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen. Auch die Impfungen gegen Covid-19 wurden ausgesetzt, nachdem eine Krankenstation angezündet wurde.

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Die Regierung des Bundesstaates erhöhte das Sicherheitsaufgebot. "Wir haben die Anzahl der Polizist:innen verdreifacht und an strategischen Orten Straßensperren errichtet", so der Gouverneur von Amazonas, Wilson Lima. Verstärkung erhielt er vom benachbarten Bundesstaat Roraima sowie aus Rio de Janeiro. Auf die Bitte Limas entsandte Brasiliens Justizminister, Anderson Torres, die Nationalgarde. Bürgermeister David Almeida rechtfertigte den Einsatz der Armee auf den Straßen von Manaus damit, "schnell zum Alltag zurückkehren zu wollen".

Die Gruppe Comando Vermelho stammt ursprünglich aus Rio de Janeiro und hatte im Dezember vergangenen Jahres ihre Konkurrenz, die "Familie des Nordens" (Família do Norte), zurückgedrängt und damit die Kontrolle über die wichtigen Drogenrouten im Norden Brasiliens übernommen. Der Bundesstaat Amazonas gilt als einer der Angelpunkte des nationalen und internationalen Handels mit Kokain. Kolumbianisches und peruanisches Kokain gelangt insbesondere über den Fluss Solimões nach Brasilien. Über die Exporthäfen wie Belém am Amazonas-Delta werden die Drogen nach Europa verschifft.

Im Februar war die Zwei-Millionen-Stadt Manaus durch den Kollaps des Gesundheitssystems in der Corona-Pandemie weltweit in die Medien gekommen. Unter anderem hatte es an Sauerstoff zur Beatmung der Corona-Patient:innen gefehlt, was zum Tod vieler Kranker führte. Vor der Zuspitzung der Krise hatten Ärzt:innen frühzeitig gewarnt. Die Regierung unter Jair Bolsonaro war lange untätig geblieben. Gegen Bolsonaros damaligen Gesundheitsminister, General Eduardo Pazuella, läuft mittlerweile ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung.

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