Kolumbien: Der erste Platz unter den Kokainproduzenten

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Der am 9. Juni veröffentlichte Bericht der UNODC-Daten zur Überwachung des illegalen Anbaus in Kolumbien
Der am 9. Juni veröffentlichte Bericht der UNODC-Daten zur Überwachung des illegalen Anbaus in Kolumbien

Bogota/Wien. Obwohl das Land den Anbau von Kokablättern bis 2020 reduziert hat, ist Kolumbien der größte Kokainproduzent der Welt. Dies geht aus einer Veröffentlichung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) hervor.

Die Daten des UNODC zur Überwachung des illegalen Anbaus im Jahr 2020 belegen einen Anstieg der Kokainproduktion um acht Prozent (1.228 Tonnen) und einen Rückgang des Anbaus um sieben Prozent (143.000 Hektar). Diese Paradoxie erklärt sich dadurch, dass die Menge an Blättern, die auf einem Hektar geerntet werden kann sowie die Menge an Alkaloid, die in den Blättern vorhanden ist, zunehmen. Neben der "besseren Qualität" der Pflanzen stiegen auch die Kapazitäten, das Produkt zu extrahieren. Dies zeigt eine vergrößerte Infrastruktur zur Produktion der Droge.

Der Anbau und die Produktion haben sich insbesondere in Gebieten Kolumbiens an den Grenzen zu Ecuador und Venezuela konsolidiert. Die Grenzgebiete bieten dem UN-Bericht nach günstige Bedingungen für den Anbau von Kokablättern und deren Verknüpfung mit den anderen Gliedern der internationalen Drogenhandelskette.

Gleichzeitig wird deutlich, dass sich 95 Prozent des registrierten Kokaanbaus in Kolumbien in Gemeinden befanden, die im Rahmen des im November 2016 ratifizierten Friedensabkommen mit der kolumbianischen Farc-Guerilla als vorrangig eingestuft wurden. In diesen Gemeinden werden Entwicklungspläne mit einem territorialen Ansatz (PDET) entwickelt, die darauf abzielen, Armut und soziale Ausgrenzung zu überwinden, welches Pushfaktoren für den bewaffneten Konflikt und die illegale Produktion waren.

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Der Bericht de UNODC macht jedoch deutlich, dass die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse nicht erreicht wird. Die Sicherheitslage bleibt trotz leicht abnehmender Tendenz bei den Frühwarnungen der Ombudsbehörde angespannt. Von 620 Morden an sozialen und politischen Aktivist:innen im Jahr 2020 fanden 66 Prozent in den PDET-Zonen statt – ebenso wie 72 Prozent der Morde an ehemaligen, demobilisierten Farc-EP-Kämpfer:innen.

Ein weiterer Faktor der Anfälligkeit für den Kokaanbau und andere illegale Wirtschaftszweige ist das niedrige Niveau der legalen landwirtschaftlichen Produktion. Die Einnahmen aus den illegalen Geschäften werden wiederum dazu benutzt, lokale Strukturen zu kooptieren. Ein Vergleich ergab, dass der Drogenhandel mindestens doppelt so viel Geld hat wie die lokale Regierung.

Eine hohe Nachfrage aus den Konsumentenländern sorgt für anhaltende Lukrativität der Kokainproduktion. Infrastruktur und Sicherheit für legale Produkte sind in den betroffenen Gebieten nicht gewährleistet. Damit bleiben legale Ökonomien in den marginalisierten kolumbianischen Gemeinden ein fernes Ziel.

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