Ecuador / Umwelt

Ecuador: Größeres Schutzgebiet gegen Überfischung und Plastik um Galapagos

Chinesische Fischerboote sollen beschränkt werden. Auch nationaler Fischfang im Fokus. Klimawandel zusätzliches Problem

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Plastik ist neben der Fischerei die größte Bedrohung für die Umwelt rund die Galapagosinseln
Plastik ist neben der Fischerei die größte Bedrohung für die Umwelt rund die Galapagosinseln

Quito. Ecuador plant die Ausweitung des Meeresschutzgebietes bei den Galapagosinseln aufgrund von Umweltverschmutzung, Klimawandel und Überfischung. Insbesondere eine Vielzahl von Meerestieren soll dringend geschützt werden. Dazu gehören fünf gefährdete Arten, die zwischen dem zu Ecuador gehörenden Archipel und der zu Costa Rica gehörenden Insel Cocos im Pazifischen Ozean wandern.

Aufgrund seiner Artenvielfalt gilt das Gebiet als Unesco-Weltnaturerbe und steht unter Naturschutz, 25 Prozent der knapp 3.000 Arten im Schutzgebiet sind endemisch. Trotz des Schutzes sind viele Meerestiere von der industriellen Fischerei, insbesondere durch chinesische Schiffe, massiv bedroht. Zusätzlich gefährden der Klimawandel und angeschwemmter Plastikmüll die Flora und Fauna der Inselreihe an Land und Wasser. Expert:innen sprechen von einem drohenden Ökozid.

Für die maritime Artenvielfalt sind jedoch nicht nur chinesische Flotten eine Gefahr, auch die nationale Fischerei trage ihren Teil bei, so Ecuadors Minister für Umwelt, Wasser und ökologische Umstellung, Gustavo Manrique. Habe Ecuador aktuell kaum Möglichkeiten, die chinesischen Flotten am Fischen am Rande seiner Gewässer zu hindern, die eigene Fischerei könne man hingegen anpassen.

Das bereits bestehende Reservat um die Galapagosinseln von 130.000 Quadratkilometern, bereits eines der größten der Welt, soll verdreifacht werden. Das geplante Meeresschutzgebiet habe soziale, wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen, erklärte Manrique: "Auf der ökologischen Seite gibt es keine Diskussion, eine größere Fläche schützt mehr. Es sind die beiden anderen Aspekte, soziale und wirtschaftliche, über die wir diskutieren". Die Fischerei Ecuadors bezieht fast ein Drittel ihrer Fänge aus den Gewässern um Galapagos. Diese stellen wichtige Exporteinnahmen für das Land.

Die Zurückhaltung ecuadorianischer Fischer:innen lässt sich, abgesehen von ökonomischen Gründen auch dadurch erklären, dass allseits Konsens darüber besteht, dass selbst ein Ausbau des Schutzgebietes die chinesischen Flotten nicht daran hindern dürfte, die Gewässer weiter auszubeuten. Trotzdem nähern sich beide Positionen zunehmend an. Auch die nationale Fischerei stimmt den Umweltschützer:innen zu, dass zum Schutz der Arten "eine Vereinbarung zum Schutz des Meereskorridors Galapagos, Coco (Costa Rica), Coiba (Panama), Malpelo (Kolumbien)" getroffen werden muss.

Vergangenes Jahr hatten rund 250 chinesische Fischerboote, die in der Nähe der Galapagosinseln fischten, international Aufsehen erregt. Jährlich kommen chinesischen Flotten in die Nähe des Archipels, um in einem der empfindlichsten Ökosysteme der Welt zu fischen.

Internationales Seerecht regelt, dass innerhalb einer 200 Seemeilen-Zone vor den Küsten, der angrenzende Staat alleinigen Anspruch auf das Meer und seine Ressourcen hat. Chinas Fischerboote befinden sich am Rande dieser Grenze und verletzen somit kein geltendes Recht. Bei den besonders gefährdeten Hai-, Wal-, Tintenfisch-, Seelöwen und Schildkrötenarten handelt es sich jedoch um wandernde Tiere, die sich zwischen dem Schutzgebiet und internationalem Gewässer hin und her bewegen. Die Fischer müssen daher gar nicht bis in die Schutzzone eindringen, um sich an dem Artenreichtum der Galapagosinseln zu bedienen.

Durch die Methoden der industriellen Fischerei wird sehr viel abgefangen und es kommt zu viel Beifang. Immer wieder werden Schiffe mit Tonnenweise gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Haiarten beschlagnahmt.

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Durch den Klimawandel sind die Meerestiere zusätzlich bedroht. Die Erderwärmung senkt ihre Reproduktionsraten und hat Einfluss auf die Wanderungsmuster der Meerestiere.

Eine nicht minder große Bedrohung ist der zunehmende Plastikmüll, der durch die Meeresströmungen aus aller Welt zu den Inseln gelangt. Zuteilen sind dort selbst unbewohnte Inseln bereits von Plastikmüll überdeckt.

Minister Manrique erläuterte das Problem auf der Ministerkonferenz über Meeresmüll am 1. und 2. September in Genf. An dem Treffen nahmen mehr als 140 Länder und 1.100 Vertreter:innen von internationalen Organisationen teil.

Manrique will sein Land im Kampf gegen die Meeresverschmutzung nun mehr in die Pflicht nehmen. Mit Maßnahmen, Gesetzen und Programmen wie "Galápagos Cero Basura" geht Ecuador gegen das Problem vor. Doch das Land sei, so Manrique, "trotz aller Bemühungen von dem Müll betroffen, der von den Meeresströmungen an die Küsten gespült wird. Wir haben ein lokales Problem, das eine globale Lösung erfordert".

Ecuador fordert einen globalen Pakt zur Bekämpfung der Meeresverschmutzung: "Es ist von entscheidender Bedeutung, so bald wie möglich einen Verhandlungsprozess für ein wirksames und ehrgeiziges, verbindliches, globales Übereinkommen über die Verschmutzung der Meere durch Kunststoffe einzuleiten. Diese soll eine gemeinsame Vision, Ziele und konkrete Verpflichtungen zur Verringerung und Beseitigung von Kunststoffen in der Umwelt enthalten", so der Umweltminister.

Nach Schätzungen der UNO gelangen jedes Jahr 13 Millionen Tonnen Plastik ins Meer. Plastik führt in den Ozeanen jedes Jahr zum Tod von mindestens 100.000 Meerestieren.

Die Galapagosinseln gehören zu den Ökosystemen, die am stärksten von der Verschmutzung durch Plastik im Meer betroffen sind.

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