Polizist:innen in Brasilien misshandeln Gefangene

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Berichte legen offen, dass vor allem die brasilianische Militärspolizei an den Übergriffen beteiligt war
Berichte legen offen, dass vor allem die brasilianische Militärspolizei an den Übergriffen beteiligt war

Rio de Janeiro. Die "Defensoria Pública" von Rio de Janeiro legt in einem Sonderbericht offen, dass knapp 86 Prozent der Fälle von Folter und Misshandlung in den Gefängnissen der Stadt auf Militärpolizist:innen zurückzuführen sind. Betroffen sind vor allem Schwarze Männer.

Die "Defensoria" ist eine staatliche, aber von der Regierung unabhängige Justizbehörde, die bedürftigen Menschen unentgeltlich Rechtsberatung gibt und sich "für den Schutz der Menschenrechte, der individuellen und kollektiven Rechte sowie der Rechte von Gruppen in prekären Situationen" einsetzt

Zwischen Juni 2019 und August 2020 sammelten Vertreter:innen der Behörde Berichte über Angriffe auf Gefangene und sichtete sie. Auf der Veranstaltung "Für das Ende der Folter: Die Auswirkungen von Berichten über Körperverletzung auf das Strafurteil" wurden die Vorfälle nun ausgewertet.

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Rund 85,6 Prozent aller gemeldeten Fälle von Gewalt gegen Gefangene lassen sich auf Polizist:innen zurückführen. Insgesamt liegen 1.250 Beschwerden über physische oder psychische Übergriffe von Seiten der Polizei vor. Der Bericht hebt besonders hervor, dass der Großteil der Betroffenen Schwarze Männer (80 Prozent) im Alter von 18 bis 40 Jahren sind, welche kaum Schuldbildung erhalten haben.

Die Wenigsten der Übergriffe wurden von den Opfern zur Anzeige gebracht. Die bürokratischen Hürden sind hoch und es besteht nur eine geringe Chance auf ein erfolgreiches Verfahren. In der Vergangenheit wurden Polizist:innen immer wieder freigesprochen, nachdem man ihrer Aussage mehr Glauben schenkte als der Aussage des Klägers. Lucia Helena de Oliveira, Koordinatorin der "Defensoria" bemerkt dazu: "Es braucht große Anstrengungen der Verteidigung, den Vorwürfen der Misshandlungen Glaubwürdigkeit zu verschaffen".

Unter den physischen Angriffen wurden besondern Tritte und Schläge beklagt. So gibt es 477 Opferberichte, in denen von Tritten die Rede ist und 438 Berichte, welche aufzeigen, dass Polizist:innen die Gefangenen geschlagen haben. 

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