Schritt in Richtung Entkriminalisierung von Abtreibungen in Chile

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Frauen in Santiago demonstrierten während der Abstimmung in der Abgeordnetenkammer für das Recht auf freie und sicher Abtreibung
Frauen in Santiago demonstrierten während der Abstimmung in der Abgeordnetenkammer für das Recht auf freie und sicher Abtreibung

Santiago. Die Abgeordnetenkammer des chilenischen Parlaments hat dafür gestimmt, Abtreibungen in den ersten 14 Wochen der Schwangerschaft zu entkriminalisieren. Dabei votierten 75 Abgeordnete dafür, 68 dagegen und zwei enthielten sich.

Der Gesetzesentwurf, der auf eine Veränderung im Strafgesetzbuch abzielt, wurde bereits 2018 eingebracht und nun wieder aufgegriffen. Ein Bündnis aus nationalen und internationalen feministischen Organisationen erarbeitete damals den Entwurf (amerika21 berichtete).

Maite Orsini, die die Initiative mit auf den Weg brachte, betonte, dass "wir glücklich sind sind, weil wir einen gewaltigen Schritt in Richtung Frauenrechte gemacht haben" und dass "dies ein erster Schritt ist und wir nicht aufgeben werden, bis Schwangerschaftsabbrüche in Chile für alle legal, kostenlos und sicher sind".

Auf ähnliche Weise kommentierte auch die feministische Bewegung Coordinadora Feminista 8M die angestoßene Entkriminalisierung: "Dies ist nicht die Gesetzgebung, die wir für den Zugang zu sicheren und würdigen Schwangerschaftsabbrüchen für ausreichend halten, aber es ist ein Schritt in Richtung Legalität".

Der Entwurf muss nun vom Frauen- und Gleichstellungsausschuss geprüft und dann erneut in der Abgeordnetenkammer verabschiedet werden, bevor er an den Senat weitergeleitet werden kann.

Während der Abstimmung demonstrierten viele Menschen im ganzen Land mit grünen Tüchern anlässlich des Internationalen Aktionstages für sichere Abtreibungen und für den Gesetzesentwurf.

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Derzeit sind Schwangerschaftsabbrüche in Chile nur in drei Fällen erlaubt: bei Lebensgefahr der Schwangeren, bei Vergewaltigung oder bei Lebensunfähigkeit des Fötus. Liegt keine dieser drei Bedingungen vor, drohen bei einer Abtreibung bis zu fünf Jahren Haft.

Laut Karol Cariola, Abgeordnete der Kommunistischen Partei, macht es keinen Sinn, Personen zu kriminalisieren, die sich aus anderen Gründen für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. "Die Kriminalisierung des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs ist eine Form der geschlechtsspezifischen Gewalt. Die Förderung der sexuellen und reproduktiven Rechte ist eine Förderung der Gleichstellung der Geschlechter", fügte sie dem hinzu.

Franciso Eguiguren von der rechtskonservativen Nationalen Erinnerungspartei (RN) verkündete hingegen, dass er weiter "für den Sieg des Lebens über den Tod" und gegen die Entkriminalisierung von Abtreibungen kämpfen werde.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums aus dem Jahr 2016 werden jährlich 60.000 bis 300.000 illegale bzw. kriminalisierte Schwangerschaftsabbrüche im Land durchgeführt. Zwischen den Jahren 2000 und 2015 war dies die vierthäufigste Todesursache bei Müttern.

Jährlich sterben nach Angaben der Vereinten Nationen weltweit 47.000 Personen bei unsicheren Abtreibungen.

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