Brasilien / Soziales

Brasilien: Anti-Bolsonaro-Demonstrantin angefahren und schwer verletzt

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Die friedliche Demonstration lockte unzählige Bürger:innen an
Die friedliche Demonstration lockte unzählige Bürger:innen an

Recife. Bei einer der zahlreichen gegen Brasiliens ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro gerichteten Kundgebungen am vergangenen Wochenende ist eine junge Demonstrantin angefahren und meterweit mitgeschleift worden. Der Täter flüchtete.

Im ganzen Land hatten Proteste stattgefunden, so auch in der nordostbrasilianischen Stadt Recife. Dort versammelten sich Menschen, um für eine Amtsenthebung des Staatsoberhaupts zu demonstrieren. Weiterhin forderten sie eine bessere medizinische Betreuung, mehr Arbeitsplätze und die ausreichende Versorgung mit Corona-Schutzimpfungen.

Auch die 28-jährige Frau, die unbekannt bleiben möchte, nahm an der Demonstration teil. Als es zu einer Straßenblockade kam, war sie gerade dabei, zwischen Autofahrer:innen und Demonstrant:innen zu vermitteln, als ein Autofahrer plötzlich in ihre Richtung mit Tempo losfuhr. Sie stürzte und wurde vom Wagen mehrere Meter mitgerissen. Der Täter beging Fahrerflucht und ließ die schwerverletzte Frau zurück. Die Anwesenden leisteten erste Hilfe. 

Sowohl das Opfer, als auch die Organisator:innen gehen von einer politisch motivierten Tat aus. So muss der Fahrer schon vorher gegen die Demonstration geschimpft und Teilnehmer:innen bedroht haben. 

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Gegen den Autofahrer wird nun wegen versuchter Tötung ermittelt. Er selbst hat die Tat gestanden, behauptet jedoch, dass sie weder Absicht gewesen sei, noch einen politischen Hintergrund gehabt habe. Er begründet seine Handlung damit, dass er Angst gehabt habe, dass die Demonstrant:innen ihn angreifen. Deshalb habe er das Auto beschleunigt. Sein Anwalt Sérgio Gonçalves, der die Kommunikation mit der Presse übernommen hat, bleibt ebenfalls bei dieser Aussage und betont, dass sein Klient seit dem vermeintlichen Unfall unter psychologischer Betreuung stehe.

Priscilla Rocha, Verteidigerin der angefahrenen Frau, zweifelt jedoch daran, dass es sich um einen Unfall gehandelt hat. Sie berichtet: "Ich habe acht Zeug:innenaussagen gehört, und es gibt noch viele mehr. Alle, die es gesehen haben, berichten das gleiche. Er stoppte nicht, er beschleunigte weiter und gab ihr keine Chance vor seinem Auto zu flüchten. Hätte sie sich nicht festgehalten, hätte er sie in aller Ruhe überfahren."

Die verletzte Frau musste mehrfach operiert werden und liegt derzeit zur Beobachtung im Krankenhaus. 

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