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Lage in Brasilien bleibt nach Überschwemmungen angespannt

Laute Kritik an urlaubendem Präsidenten Bolsonaro. Hilfsangebot aus Argentinien nach stärksten Regenfällen in Bahia seit 32 Jahren zunächst abgelehnt

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Während im Bundesstaat Bahia unzählige Menschen von den starken Überschwemmungen betroffen sind, postet Präsident Bolsonaro Urlaubsvideos auf Twittter
Während im Bundesstaat Bahia unzählige Menschen von den starken Überschwemmungen betroffen sind, postet Präsident Bolsonaro Urlaubsvideos auf Twittter

Salvador de Bahia. Nach den starken Regenfällen der letzten Woche im brasilianischen Bundesstaat Bahia ist die Situation noch immer angespannt. Insgesamt sind 141 Städte und 629.398 Personen von den starken Überschwemmungen betroffen. Offiziellen Angaben zufolge starben bisher 24 Menschen und 434 weitere wurden verletzt. Kritik ruft einmal mehr das Verhalten von Präsident Jair Bolsonaro hervor, der sich in den letzten Tagen im Urlaub befand und sich nicht als Krisenmanager hervortat. 

Derweil zieht eine Welle der Solidarität durchs Land. Bereits 15 brasilianische Bundesstaaten haben ihre Hilfe angekündigt. Viele Organisationen sammeln Lebensmittel und Spenden. Sie versuchen außerdem vor Ort mit der Bereitstellung von Trinkwasser oder Obdach zu helfen. Fast alle der Betroffenen haben ihr Zuhause unter den Wassermassen verloren.

Es waren die stärksten Regenfälle der letzten 32 Jahre in Bahía. Derzeit gehen die Regenfälle etwas zurück. Meteorologen warnten jedoch vor zu früher Entwarnung. Sie kündigen starke Regenfälle für den Südosten des Landes an. So könnten in den nächsten Wochen auch die Bundesstaaten Goiás, Minas Gerais, São Paulo, Rio de Janeiro und Espírito Santo von starken Überschwemmungen betroffen werden.

Auch Brasiliens Nachbarland Argentinien bot seine Hilfe an. Diese wurde jedoch von der Regierung ausgeschlagen. Aktuell habe das Land genug Kapazitäten, um die Krise allein zu bewältigen. Rui Costa, Gouverneur des Bundesstaats Bahía, hatte jedoch zuvor auf seinen Social-Media-Kanälen das Hilfsangebot Argentiniens begrüßt und darum gebeten, die Hilfe schnellstmöglich anzunehmen. Genaue Hintergründe, warum das Angebot ausgeschlagen wurde, sind noch nicht bekannt. CNN berichtet jedoch, dass Argentinien auch weiterhin bereit sei, Spezialkräfte nach Brasilien zu entsenden.

Erneut wird Kritik an der aktuellen Regierung unter Präsidenten Jair Bolsonaro laut. Dieser verbringt derzeit seinen Urlaub am Strand von Santa Catarina und äußert sich nur über Social Media zu den Geschehnissen in Bahía. Während seine Vorgänger:innen bei großen Überschwemmungen vor Ort waren, um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen, postet Bolsonaro auf seinen Kanälen, dass er hoffe, seinen Urlaub nicht abbrechen zu müssen. Seit Dienstag trendet auf Twitter der Hashtag #BolsonaroVagabundo, unter welchem heftige Kritik am Verhalten des Präsidenten geäußert wird. Von fehlender Empathie ist die Rede und selbst Bolsonaro-Befürworter:innen äußern sich derzeit kritisch. "Das ist eine komplette Verdrehung der Prioritäten. Während mehr als 400.000 Menschen von dieser Tragödie betroffen sind, angelt er", erklärte Alice Portugal, Politikerin aus Bahía.

Auf Bolsonaros Twitter-Seite sind aktuell vor allem Urlaubs-Videos zu sehen: Der Präsident am Strand, umgeben von unzähligen Menschen, feiernd und ohne Maske. Es ist nicht das erste Mal, dass der Präsident sich während der Pandemie in großen Menschenansammlungen zeigt und das Tragen einer Maske verweigert. 

Auch der Abgeordnete Valmir Assunção erklärte, dass dieses Verhalten typisch für die Bolsonaro-Regierung sei. Er mahnte an, dass gerade die Menschen, die in der Politik aktiv sind, verantwortungsvoll sein müssten. "Es ist ein Moment der Solidarität. Und das ist Bolsonaro nicht. Daher wundert es mich nicht, dass er nach Santa Catarina reist." Allein Rogério Marinho, der Minister für Regionale Entwicklung, nimmt Bolsonaro in Schutz: "Der Präsident war in Bahia und wurde kritisiert. Der Präsident schickte Minister und wurde kritisiert. Ich denke, wenn der Präsident die Heilung für Krebs entwickeln würde, würde man ihn kritisieren."

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