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CIA-Bericht: Hinter dem "Havanna-Syndrom" steckt keine fremde Macht

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"El síndrome del absurdo"
"El síndrome del absurdo"

Washington/Havanna. Laut einem Bericht des US-amerikanischen Nachrichtendienstes CIA kommt keine ausländische Regierung für das mysteriöse "Havanna-Syndrom" in Frage, von dem bislang mehrere Hundert Diplomaten betroffen sein sollen. Die erstmals 2016 als "Schall-Angriffe" berichteten Zwischenfälle hätten vermutlich konventionelle medizinische oder umweltbezogene Ursachen.

Einige Mitarbeiter der US-Botschaft in Havanna begannen im Herbst 2016 über unerklärlichen Hörverlust zu berichten. Zu den weiteren Symptomen zählten Nasenbluten, Migräne und Übelkeit. In einigen Fällen waren die Symptome so schwer, dass die Mitarbeiter in zur medizinischen Behandlung in ihre Heimat ausgeflogen wurden.

Nach einer mehrmonatigen Untersuchung kam die US-Regierung damals zu dem Schluss, dass den Botschaftsmitarbeitern mittels einer "hochentwickelten Schallwaffe, die außerhalb des hörbaren Spektrums operiert und die entweder in- oder außerhalb ihrer Residenzen installiert war," bewusst Schaden zugefügt worden sei. US-Präsident Donald Trump veranlasste im September 2017 den Abzug großer Teile des Botschaftspersonals, weswegen die diplomatische Vertretung über Jahre hinweg praktisch dienstunfähig war.

Inzwischen haben rund 1.000 US-Diplomaten auch in Ländern wie China, Russland, der EU und sogar den USA selbst über ähnliche Vorfälle berichtet, die fortan als "Havanna-Syndrom" bezeichnet wurden. Es wurde spekuliert, dass Russland hinter den Zwischenfällen stecken könnte. CIA-Direktor William Burns formulierte letztes Jahr eine entsprechende Warnung an Moskau. Tatsächlich scheinen die Ursachen jedoch gewöhnlicher Natur zu sein.

"Wir haben festgestellt, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein ausländischer Akteur, einschließlich Russland, eine anhaltende weltweite Kampagne durchführt, bei der US-Personal mit einer Waffe oder einem Mechanismus geschädigt wird", zitiert nun die Nachrichtenagentur AFP aus dem CIA-Bericht. Nahezu alle Fälle lassen sich durch bestehende, zuvor nicht diagnostizierte Erkrankungen der Betroffenen oder durch Umweltfaktoren erklären, so der Bericht. Nur rund zwei Dutzend seien weiterhin Gegenstand von Untersuchungen. In Bezug auf die Vorfälle auf Kuba brachte bereits ein früherer Bericht des US-Außenministerium die von Zikaden ausgehenden Geräusche als mögliche Ursache ins Spiel.

Wie die stellvertretende Generaldirektorin für die USA beim Außenministerium Kubas, Johana Tablada, erklärte, hätten kubanische Experten wiederholt auf die "politische Manipulation dieser Ereignisse und die unbegründeten Theorien über Schallwaffen" hingewiesen. Die Schließung der Botschaft sei "Teil einer Reihe von Maßnahmen zur Schwächung der Beziehungen zwischen beiden Ländern" gewesen, mit denen Reisen und Kontakte erschwert worden seien, so Tablada.

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