Besetztes Firmengelände von Bonafont in Mexiko geräumt

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"Regierungen sind auf der Seite der Unternehmen": Protest gegen die Räumung
"Regierungen sind auf der Seite der Unternehmen": Protest gegen die Räumung

Puebla. Ein Großaufgebot der Nationalgarde und der Staatspolizei hat in der Nacht auf Dienstag das besetzte Firmengelände von Bonafont umstellt und mit der Räumung begonnen. Seit knapp einem Jahr blockierten organisierte Gemeinschaften aus rund 20 umliegenden Dörfern der Gemeinde Juan C. Bonilla im Bundesstaat Puebla den Betrieb der mexikanischen Tochterfirma des französischen Lebensmittelkonzerns Danone.

Bonafont arbeitet neben vielen anderen Firmen, die sich in der neuen Industriezone der Region niedergelassen haben, seit gut 29 Jahren vor Ort. Das Unternehmen extrahiert qualitativ hochwertiges Trinkwasser aus dem vulkanischen Boden der Gemeinde und füllt es zum Verkauf in Flaschen ab.

Die Widerstandsbewegung der "Pueblos Unidos de la Región Cholulteca y de los volcanes" (Vereinte Völker der Region Cholulteca und der Vulkane) hatte sich im Frühjahr 2021 aufgrund des prekären Tiefstandes der Ziehbrunnen in ihren Dörfern gegründet und am 22. März, dem Weltwassertag, die Eingänge des Bonafont-Geländes blockiert (amerika21 berichtete). Die Firma musste daraufhin den Betrieb einstellen. In der Folge füllten sich die Ziehbrunnen wieder merklich.

Laut den Aktivist:innen drang die Polizei um halb zwei Uhr morgens auf das Gelände vor. Die Menschen vor Ort konnten rechtzeitig fliehen. Im Verlauf des Tages übernahmen private Sicherheitskräfte der Firma Bonafont die Bewachung des Areals, während mit dem Übermalen von Wandbildern und Rückbauarbeiten von Installationen begonnen wurde.

Am 8. August 2021, dem Geburtstag des mexikanischen Revolutionsführers Emiliano Zapata, besetzte die Widerstandsbewegung das gesamte Gelände der Firma und taufte es auf "Casa de los Pueblos" (Haus der Völker). Seither wurde der Ort für kommunitäre Bildung und Organisation genutzt. Zahlreiche Workshops und Veranstaltungen wurden dort durchgeführt. Zudem wurde ein landesweites und internationales solidarisches Netzwerk rund um Themen wie Wassergerechtigkeit, Verteidigung des Territoriums und Extraktivismus im Globalen Süden aufgebaut. Auch bekannte Intellektuelle und Journalist:innen wie Yuderkys Espinoza, Raúl Zibechi, Gilberto López y Rivas oder Eliana Acosta besuchten das kommunitäre Projekt.

Im Kommuniqué der "Pueblos Unidos" zur Räumung heißt es, Bonafont habe "in unserer Region täglich Millionen Liter Wasser gestohlen" und die Brunnen sowie die Flüsse ausgetrocknet. "Jetzt kommt die Regierung den Interessen dieses Unternehmens entgegen und erleichtert die Wiederaufnahme der Wasserausbeutung. Wir prangern diese Regierungen an, die das Volk unterdrücken und die Unternehmen schützen. Für sie steht Geld über dem Leben." Sie fordern den Abzug der Streitkräfte aus Altepelmecalli und die Rückgabe der Anlagen an die Bevölkerung. Die internationale Gemeinschaft rufen sie auf, das Geschehen in Puebla in den kommenden Tagen kritisch zu beobachten.

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