Abtreibungsverbot in El Salvador: Zwei zu Unrecht inhaftierte Frauen freigelassen

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"Wir feiern, weil Maria nach neun Jahren zu Unrecht im Gefängnis endlich nach Hause zurückkehrt."
"Wir feiern, weil Maria nach neun Jahren zu Unrecht im Gefängnis endlich nach Hause zurückkehrt."

San Salvador. Zwei Frauen, Glenda und Maria, die jahrelang unschuldig im Gefängnis waren, nachdem sie Komplikationen während ihrer Schwangerschaft erlitten hatten, sind wieder frei. Am Donnerstag konnte Glenda das Gefängnis verlassen und am nächsten Tag auch Maria. In El Salvador sind Abbrüche ausnahmslos verboten. 

Glenda hat fast neuneinhalb Jahre in Haft verbracht. 2011 ging sie mit heftigen Bauchschmerzen zur Toilette. Dort wurde die damals 19-Jährige ohnmächtig und erfuhr erst im Krankenhaus, dass sie schwanger gewesen war. Sie wurde wegen illegaler Abtreibung angeklagt und sofort ins Gefängnis gebracht. Zunächst verurteilte man sie wegen Mordes zu zehn Jahren Haft. Die Generalstaatsanwaltschaft legte jedoch Berufung ein und forderte stattdessen 50 Jahre. Im Jahr 2013 verurteilte sie das Gericht schließlich trotz nicht vorhandener Beweise wegen schweren Mordes zu 30 Jahren Gefängnis. Jetzt wurde sie "vorzeitig" entlassen und kann wieder zu ihrer Tochter und Familie zurückkehren.

Maria erlitt 2012 mit 32 Jahren eine Frühgeburt. Sie wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht von ihrer Schwangerschaft und hatte bereits eine Tochter. Im Krankenhaus wurde sie des schweren Mordes beschuldigt und ins Gefängnis überstellt. Während des Prozesses, bei dem es genau wie im Fall von Glenda keinerlei Beweise für einen versuchten Schwangerschaftsabbruch gab, warf ihr das Gericht vor, sie hätte die Gesundheit ihres Kindes garantieren müssen.

"Die Freilassung jeder Einzelnen weist erneut auf die Ungerechtigkeit gegenüber diesen Frauen hin, die aufgrund von Schwangerschaftskomplikationen kriminalisiert wurden, einfach nur weil sie Frauen sind, in Armut leben und sich nicht verteidigen können", sagte Morena Herrera, Vorsitzende der Bürgergruppe für die Entkriminalisierung der Abtreibung. Die Organisation fordert von der Regierung nun eine Wiedergutmachung für die Ungerechtigkeiten, die diese Frauen durchmachen mussten. Mit ihrer Unterstützung wurden inzwischen 64 Frauen freigelassen. Die Kampagne "Nos Faltan las 17" ("Uns fehlen 17 weitere") wird nicht ruhen, bis alle Frauen mit ähnlichem Schicksal frei sind.

Insbesondere während des momentanen Ausnahmezustands in El Salvador (amerika21 berichtete), ist die Sicherheit der freigelassenen Frauen stark gefährdet. Sie sind nicht freigesprochen worden, sondern "vorzeitig entlassen", also nach wie vor vorbestraft. Sollten sie in eine der ständig präsenten Polizei- oder Militärkontrollen kommen, befürchten sie, dass sie erneut willkürlich verhaftet werden könnten. Ihr einziger Schutz ist zur Zeit eine gute Vernetzung mit Organisationen innerhalb und außerhalb des Landes.

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