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Honduras: "Narcodiktator" Hernández an USA ausgeliefert

US-Drogenbehörde bringt Hernández nach New York. Anklage wegen 500-Tonnen-Kokain-Deals. Justiz in Honduras noch von Gefolgsleuten des Ex-Präsidenten beeinflusst

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Hernández bei der Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Hernán Acosta Mejía, wo er von der DEA "übernommen" wurde
Hernández bei der Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Hernán Acosta Mejía, wo er von der DEA "übernommen" wurde

Tegucigalpa. Der ehemalige honduranische Präsident Juan Orlando Hernández ist am Donnerstag in die USA ausgeliefert worden. Am späten Nachmittag startete das Flugzeug der US-amerikanischen Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Administration) vom Luftwaffenstützpunkt Hernán Acosta Mejía im Süden der Hauptstadt Tegucigalpa, um Hernández nach New York zu bringen. Dort soll er im Metropolitan Correctional Center seine Untersuchungshaft fortsetzen.

Hernández werden Einfuhr, Herstellung und Vertrieb von bis zu 500 Tonnen Kokain, Verwendung von Schusswaffen und Handel mit Schusswaffen und Sprengkörpern vorgeworfen. Am 15. Februar war der ehemalige Präsident in seinem Haus in Tegucigalpa festgenommen worden, nachdem die USA um seine Festnahme und Auslieferung ersucht hatten. Der Oberste Gerichtshof hatte die Auslieferung am 16. März beschlossen und am 28. März, nachdem Hernández‘ Anwälte Rechtsmittel eingelegt hatten, noch einmal bestätigt.

In einer öffentlichen Erklärung hat Hernández‘ Familie derweil seine Verteidiger im bevorstehenden Prozess benannt, die Anwälte Raymond Colón und Daniel Pérez. Die Familienangehörigen beteuern weiterhin seine Unschuld und sehen ihn als Opfer der Rache und der Interessen von bereits verhafteten Drogenhändlern, die durch Kronzeugenregelungen ihre Strafen reduzieren wollten. Sollte Juan Orlando Hernández wie zuvor schon sein Bruder Antonio (Tony) Hernández vom New Yorker Gericht für schuldig befunden werden, droht ihm eine lebenslange Haftstrafe.

Der zuletzt als "Narcodiktator" verpönte Präsident könnte auch in Honduras nicht zuletzt aufgrund seiner Beteiligung an Korruptionsnetzwerken strafrechtlich verfolgt werden. Das Justizsystem des Landes wurde jedoch über Jahre mit treuen Gefolgsleuten Hernández‘ Nationaler Partei besetzt und eine effektive rechtliche Ahndung erschiene fraglich.

So hatte die Regierung Hernández 2013 vier von fünf Richter:innen des Obersten Gerichtshofs abgesetzt. Eben dieser Gerichtshof erklärte im Jahr 2015 auch den Artikel der honduranischen Verfassung für ungültig, der eine zweite Amtszeit eines Präsidenten ausschloss. Damit war die erneute Kandidatur von Hernández "legalisiert". Auch der noch amtierende Generalstaatsanwalt Oscar Chinchilla gilt als Gefolgsmann der Nationalen Partei.

Den gleichen Weg wie Hernández wird nun wahrscheinlich auch bald der Ex-Polizeichef Juan Carlos Bonilla Valladares gehen. Sein Einspruch gegen die Gerichtsentscheidung zur Auslieferung ist am Mittwoch abgelehnt worden. Ihm werden ebenfalls Drogenhandel und Verwendung und Handel von Schusswaffen vorgeworfen.

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