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US-Unternehmen in Kolumbien: "Wahlsieg Petros keine Gefahr für ausländische Investitionen"

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Im CEA haben sich mehr als 100 multinationale US-Unternehmen zusammengeschlossen,die in Kolumbien arbeiten
Im CEA haben sich mehr als 100 multinationale US-Unternehmen zusammengeschlossen,die in Kolumbien arbeiten

Bogotá. Der linke Präsidentschaftskandidat des Pacto Histórico in Kolumbien, Gustavo Petro, hat sich mit Vertreter:innen verschiedener US-amerikanischer Unternehmen getroffen, die in Kolumbien ansässig sind und dem Amerikanischen Wirtschaftsrat (Consejo de Empresas Americanas, CEA) angehören. Er verspricht den Unternehmen im Falle eines Wahlsiegs Rechtssicherheit und dass seine Regierung die Verträge, die bereits abgeschlossen worden sind, auch einhalten wird.

Der CEA ist ein Interessenverband von mehr als 100 US-Unternehmen in Kolumbien, der sich 1962 "zur Stärkung des privaten Investitions- und Geschäftsumfelds in Kolumbien" gegründet hat. Er ist in 17 Wirtschaftssektoren vertreten und sorgt nach eigenen Angaben für 100.000 Arbeitsplätze.

Bezüglich des bilateralen Handels zwischen Kolumbien und USA ging es vor allem um das 2012 in Kraft getretene Freihandelsabkommen zwischen den beiden Staaten. Es sieht bisher eine Zollfreiheit für den Großteil von Industriegütern, aber auch für einige landwirtschaftliche Produkte vor und sollte Kolumbiens Exporte in die USA steigern. Petro plant, das Abkommen neu zu verhandeln, mit einem stärkeren Fokus auf der Bekämpfung des Klimawandels. Außerdem möchte er Ansätze zur Drogenbekämpfung neu überdenken, und in diesem Rahmen die Industrie und Landwirtschaft stärken, um alternative Einkommensquellen zu schaffen.

Der linke Präsidentschaftskandidat ist über die geringe landwirtschaftliche Produktivität des Landes, das zunehmend Produkte wie Mais aus den USA importieren muss, besorgt. Deshalb soll die Landwirtschaft durch die "Rettung" von fruchtbarem Land, das keine Erträge abwirft, gefördert werden.

Im Bereich der Energiepolitik soll eine Frist von zwölf Jahren für den Übergang der Öl- und Kohleverträge hin zu erneuerbaren Energien geschaffen werden. Allerdings wird es mit Petro keine neuen Explorationsverträge für diese Sektoren geben, und auch keine Öl- oder Gasförderung durch Fracking.

Der US-Konzern Drummond ist im Kohleabbau seit 35 Jahren der wichtigste ausländische Investor. Er fördert vor allem im Steinkohlebergwerk El Cerrejón im nördlichsten Teil Kolumbiens Kohle, das aufgrund von Umweltschäden, Zwangsumsiedlungen und Menschenrechtsverletzungen an der indigene Bevölkerung und Aktivist:innen immer wieder Schlagzeilen macht (amerika21 berichtete). El Cerrejon ist der größte Steinkohletagebau Lateinamerikas.

Ricardo Triana, Exekutivdirektor des CEA, forderte den linken Kandidaten zu einem ständigen Dialog auf: "Wir wollen uns mit Ihnen zusammensetzen, um zu sehen, wie wir Hand in Hand arbeiten können, damit wir dieses Land voranbringen können", sagte Triana. Außerdem räumte er in einem Interview mit dem Sender La W mit den Gerüchten auf, Petro wolle zwölf Jahre an der Macht bleiben. Diese Zeitspanne beziehe sich auf dessen Übergangsplan im Bereich der Energie- und Drogenpolitik.

Triana versicherte, der CEA sehe nach dem Treffen mit dem Präsidentschaftskandidaten "keinerlei Warnsignale, die ausländische Investitionen in Kolumbien gefährden würden", falls Petro die Wahlen gewinnen sollte.

Das Verhältnis zwischen Vertreter:innen des Pacto Histórico und den USA ist indes angespannt. Francia Marquéz, die als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft antritt, hat der US-Regierung vor Kurzem vorgeworfen, sich in die Präsidentschaftswahlen in Kolumbien einzumischen, nachdem US-Botschafter Philip Goldberg dem linken Bündnis eine Finanzierung durch Russland und Venezuela unterstellte (amerika21 berichtete).

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