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Galápagosinseln in Ecuador: Tourismusprojekt gegen den Willen der Bevölkerung

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Die Inselgruppe mit ihrer außergewöhnlichen Natur gehört zum Weltnaturerbe der Unesco und ist ein begehrtes Ziel für internationale Touristen
Die Inselgruppe mit ihrer außergewöhnlichen Natur gehört zum Weltnaturerbe der Unesco und ist ein begehrtes Ziel für internationale Touristen

San Cristóbal. Der Tourismus auf den abgelegenen Galápagosinseln, die etwa 965 Kilometer westlich der Festlandküste Ecuadors liegen, ist ein schwieriger Balanceakt zwischen den Interessen von Mensch und Natur. Der geplante Bau eines privaten Touristenkomplexes löst nun bei den Bewohner:innen auf der östlichsten Insel San Cristóbal Besorgnis aus. Dabei wurde das Vorhaben bereits 2015 vom Verwaltungsrat des Nationalparks Galápagos (Consejo de Gobierno del Régimen Especial de Galápagos) abgelehnt, nachdem sich die Inselbewohner:innen dagegen gewehrt hatten.

Entgegen diesem Beschluss scheint die Verwaltung der kleinen Insel das umstrittene Projekt mit dem Namen "Hogalápagos" zu genehmigen. Dieses sieht den Bau eines Tourismuskomplexes mit 35 Zimmern, Hütten, einem Tagungszentrum, einem Schwimmbad, einem Whirlpool, einem Spa- und einem Fitnessbereich auf einem acht Hektar großen Gelände am Strand von Punta Carola vor, der sich im Süden der Insel befindet. Dort soll dann auch Surfen erlaubt sein. Der Strand liegt nördlich der Gemeinde Puerto Baquerizo Moreno mit 7.475 Einwohner:innen.

Nach Ansicht von Umweltorganisationen würde die touristische Anlage den Lebensraum endemischer Arten der Insel bedrohen. Punta Carola ist ein Brutgebiet für Seelöwen und nistende Leguane sowie für Kolonien von Seevögeln wie Tölpeln, Fregattvögeln und Finken.

Im Januar dieses Jahres hatte Ecuadors Präsident Guillermo Lasso noch die Vergrößerung der Schutzzone der Galápagosinseln um 60.000 Quadratkilometer per Dekret verfügt (amerika21 berichtete).

Obwohl der Beschluss gegen das Projekt erst im April dieses Jahres vom Verwaltungsrat von San Cristóbal bestätigt wurde, werden nun Tatsachen geschaffen. "Ich konnte feststellen, dass bestimmte Vorschriften nicht eingehalten werden und dass teilweise versucht wird, eine Art Baugenehmigung für das Gelände zu erteilen", sagte Diego Cruz Briones, Abgeordneter im Rat der Provinz San Cristóbal, gegenüber dem Fernsehsender Teleamazonas. Cruz hatte daher Bürgermeister Henry Cobos Zavala, den Chef des "Gobierno Autónomo Descentralizado Municipal de San Cristóbal" um Informationen über den Einsatz von schweren Maschinen aus dem Besitz der Gemeinde gebeten.

Auch die Umweltorganisation Sos Galápagos twitterte, dass die Gemeindeversammlung (Asamblea Comunitaria) von San Cristóbal "Unregelmäßigkeiten" bei dem für Punta Carola geplanten Tourismusprojekt anprangerte und forderte die Behörden zu einer Erklärung auf.

Katherine Llerena, Vorsitzende des Verwaltungsrates von Galápagos, erklärte, dass man den Fall aufmerksam verfolge, da das Plenum des Rates, zu der auch das Tourismusministerium gehört, in der Resolution von 2015 die Umsetzung dieser Initiative abgelehnt hatte. Artikel 3 der Resolution beinhaltet die Nichtgenehmigung von Beherbergungsprojekten in der Provinz, wenn diese nicht den festgelegten Kriterien entsprechen, einschließlich des Projektes "Hogalápagos".

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