Erneut Karawane mit tausenden Migrant:innen auf dem Weg in die USA

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Die CNDH geht von rund 11.000 Personen aus, die jetzt auf dem Weg in die USA sind
Die CNDH geht von rund 11.000 Personen aus, die jetzt auf dem Weg in die USA sind

Tapachula. Zeitgleich mit dem Amerika-Gipfel in Los Angeles hat sich aus dem Süden Mexikos eine Karawane mit Tausenden Migrant:innen mit Ziel USA auf den Weg gemacht. Nach Angaben örtlicher Menschenrechtsorganisationen kommt der Großteil der mehr als 5.000 Personen, die am 6. Juni gemeinsam die Grenzstadt Tapachula verließen, aus Venezuela, etwa ein Fünftel sind Frauen und Kinder. Insgesamt geht die mexikanische Menschenrechtskommission CNDH von rund 11.000 Personen aus, die in Richtung USA unterwegs sind.

Der Menschenrechtsaktivist Luis Rey García Villagrán aus dem Grenzort Tapachula begleitet die erste Gruppe. Ihm zufolge haben sich die venezolanischen Staatsangehörigen bereits seit Tagen und Wochen, einige sogar seit Monaten dort aufgehalten und um Transitpapiere bemüht. Die Behörden hätten sie aber hingehalten. Anfang Juni habe der Grenzschutz Dutzende Migrant:innen aus Hotels und Pensionen abtransportiert und in das größte Auffanglager des Landes, Siglo XXI, in der Nähe gebracht. Menschen aus Zentralamerika, Kuba und Venezuela lebten auf der Straße, auch ganze Familien, berichtete García.

Der Marsch der Karawane sei eine Verzweiflungstat der in Tapachula gestrandeten Migrant:innen, weil die mexikanische Kommission für Flüchtlingshilfe (Comar) ihnen bis August Termine zur Überprüfung ihrer Papiere gebe. Das Nationale Migrationsinstitut (INM) habe ihnen gar Termine bis September oder Oktober gegeben. Auf diese Weise könnten sich in den kommenden Monaten bis zu 200.000 Migrant:innen in der Grenzstadt ansammeln und die Situation sich verschärfen, warnte García. Bereits jetzt seien sie in den Medien und sozialen Netzwerken einer Hasskampagne ausgesetzt, die sie als "Eindringlinge", "Mörder", "Prostituierte", "Bandenmitglieder" oder "Diebe" diffamiere.

Der Landweg durch Mexiko in die USA ist für Migrant:innen hochgefährlich. Jedes Jahr verschwinden Hunderte Personen, Menschen werden ausgeraubt, erleben (sexuelle) Gewalt und Korruption, und geraten immer wieder ins Visier der organisierten Kriminalität. So wurde im Januar 2021 im nördlichen Bundesstaat Tamaulipas ein ausgebrannter Pickup mit den Leichen von 19 Migrant:innen gefunden. Die Mehrheit der Jugendlichen kam aus einem indigenen Dorf in den Bergen von Guatemala. Mindestens zwölf mexikanische Polizisten wurden mit ihrem Tod in Verbindung gebracht.

Aus diesem Grund haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach Tausende Menschen vor allem aus Honduras, Guatemala, El Salvador und Haiti zusammengetan, um gemeinsam zu reisen. Die Karawanen sollen Schutz bieten.

Organisationen wie Save The Children und die staatliche CNDH wiesen aber darauf hin, dass die Reisenden auch so den Anstrengungen des Weges, des Wetters und der schlechten Ernährung ausgeliefert seien. Daher sollten sie von Fachleuten begleitet werden, die medizinische und psychologische Betreuung sicherstellen.

In der Zwischenzeit sind mehrere Hundert Angehörige der Karawane mit Transitpapieren ausgestattet worden, die sie vor einer Abschiebung schützen.

Die Migrant:innen kreuzen derzeit den Bundesstaat Veracruz, der als sehr gefährlich gilt. Die CNDH forderte die örtlichen Behörden auf, alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Bis zur US-Grenze haben sie noch mindestens 1.000 Kilometer vor sich.

Die Situation im Süden Mexikos spiegelt den Rekord-Migrationsstrom der Region in die USA wider, deren Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) im Steuerjahr 2021, das am 30. September endete, mehr als 1,7 Millionen Personen ohne Papiere an der Grenze zu Mexiko kontrolliert. Seit dem 1. Oktober hat das CBP bereits mehr als eine Million Geflüchtete an der Südgrenze der USA abgefangen.

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