Kolumbien / Politik

Kolumbiens Linke feiert Wahlsieg

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"Für unsere Toten - Wahrheit und Gerechtigkeit" steht auf diesem Bild, dass auf Instagram veröffentlicht wurde. Viele Aktivist:innen haben wieder Hoffnung in Kolumbien
"Für unsere Toten - Wahrheit und Gerechtigkeit" steht auf diesem Bild, dass auf Instagram veröffentlicht wurde. Viele Aktivist:innen haben wieder Hoffnung in Kolumbien

Bogotá. In Kolumbien haben im ganzen Land vom Nachmittag des Wahlsonntags bis Montagabend zahllose spontane Umzüge auf den Straßen stattgefunden, tausende Menschen jubelten stundenlang vor den Wahlkampfzentralen und tanzten die ganze Nacht hindurch. Menschen fielen sich in die Arme, gratulierten sich, ganze Familien feierten den Wahlsieg gemeinsam.

Die Spannung der letzten Tage vor der Wahl löste sich in der linken Opposition in heitere Erleichterung und überschwängliche Freude auf. Trotz oder gerade wegen vieler Meldungen über Unregelmäßigkeiten wurde der Sieg gefeiert.

Am Samstag waren zwei Morde im Zusammenhang mit der Wahl gemeldet worden: im Departamento Cauca wurde ein Wahlbeobachter getötet, der dem Pacto Histórico zugerechnet wurde. Laut Informationen der Wahlbeobachtungsmission wurde zudem ein Mitglied des Militärs in der Nähe eines Wahllokals in San Vicente del Caguán im Department Caquetá umgebracht.

Zudem meldete die Mission, dass in 64 Prozent der Wahllokale die vorgeschriebenen Geräte zur biometrischen Wähleridentifizierung nicht installiert waren. In 23 Prozent der überprüften Wahllokale waren die gesetzlich vorgeschriebenen sechs Wahlhelfer:innen zum Zeitpunkt der Öffnung des Wahllokals nicht anwesend und in 29 Prozent waren keine Wahlbeobachter:innen anwesend. Darüber hinaus gab es zahlreiche Beschwerden über beschädigte Wahlzettel, die bereits markiert seien oder so beschädigt, dass sie als ungültig gewertet werden müssten.

Das Ergebnis der Wahl gibt allerdings auch zu denken, denn der ultrarechte Gegenkandidat Rodolfo Hernández unterlag zwar dem linken Bündnis, jedoch nur mit wenigen Prozent Abstand. Er wurde im Wahlkampf immer wieder mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump verglichen. Selbst das traditionell zusammenstehende konservative Lager spaltete sich an diesem Kandidaten. So unterstützte der ehemalige Präsidentschaftskandidat Sergio Fajardo die Kampagne des "Voto en Blanco": Er bevorzugte, keinen der beiden Kandidaten zu unterstützen.

Bereits am Montag hat auch die ELN-Guerilla ihre Anerkennung für den Wahlsieg von Gustavo Petro zum Ausdruck gebracht. Es besteht große Hoffnung, dass nun die Friedensgespräche wiederaufgenommen werden. Auch die katholische Kirche bot schon ihre Dienste bei der Vermittlung mit der ELN an.

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