Brasilien / Soziales / Politik

Mehr Diversität bei den Regional-und Kongresswahlen in Brasilien

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Immer mehr Frauen, queere und Schwarze Menschen stellen sich in Brasilien zur Wahl. So auch die lesbische Politikerin Flavia Hellen von der Arbeiterpartei PT im Bundesstaat Pernambuco
Immer mehr Frauen, queere und Schwarze Menschen stellen sich in Brasilien zur Wahl. So auch die lesbische Politikerin Flavia Hellen von der Arbeiterpartei PT im Bundesstaat Pernambuco

Brasília. Zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens ist die Mehrheit der zu wählenden Kandidat:innen bei den Kongress- und Regionalwahlen Schwarz. Auch die Zahl an weiblichen und indigenen Kandidat:innen ist leicht angestiegen.

Insgesamt sind laut Angaben des Obersten Wahlgerichts 49,57 Prozent der Anwärter:innen auf ein politisches Amt Schwarz. Das sind insgesamt 15.241 Personen, die auf Landes-, Bundes- und Kreisebene als offizielle Volksvertreter:innen gewählt werden können und bedeutet einen Anstieg um rund 2.000 Personen zum Jahr 2018. Dementgegen stehen 48,84 Prozent nicht-Schwarze Kandidat:innen. Knapp mehr als die Hälfte der brasilianischen Bevölkerung identifiziert sich als Schwarz oder "Pardo" (mit afrikanischen und europäischen Vorfahren).

Auch 175 indigene Vertreter:innen stellen sich am 2. Oktober zur Wahl. Diese machen zwar nur 0,87 Prozent der Kandidaturen aus, können aber trotzdem einen leichten Anstieg verzeichnen. 2018 waren landesweit nur 133 indigene Personen wählbar, 2014 sogar nur 85.

Ähnliches ist bei den Anteilen der Frauen zu erkennen. Beanspruchten sie bei den Wahlen nur 31,8 Prozent der Kandidaturen, sind es in der kommenden Wahlsaison bereits 33,4 Prozent. 

Besonders begünstigt wurden diese Entwicklungen durch eine Entscheidung des Obersten Wahlgerichts. Im Dezember des vergangenen Jahres hat es beschlossen, dass die Stimmen, die für weibliche und Schwarze Bundesabgeordnete gegeben werden, bei der Vergabe von Fördermitteln doppelt gewichtet werden. Dies gilt noch bis 2030.

Zudem gibt es seit 2009 die Regelung, dass Parteien 30 Prozent Frauen aufstellen sollten. Dementsprechend sollen auch anteilig 30 Prozent der Gelder für den Wahlkampf von weiblichen Kandidatinnen genutzt werden können.

Die Plattform "VoteLGT+" stellt zudem eine Übersicht über die queeren Kandidat:innen zusammen. Jede Person, die sich der LGBTIQ-Community zuordnet und zur Wahl antritt, kann sich auf der Seite registrieren und so von potentiellen Wähler:innen gefunden werden. Bisher haben sich 242 Personen registriert. Auch dies ist ein neuer Rekord. Um den anstehenden Wahlkampf zu erleichtern, stellt die Plattform zusätzlich auch eine psychologische Betreuung und Beratung zur Verfügung.

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