Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela nach sieben Jahren wieder geöffnet

Ambitionierte Ziele für den binationalen Handel. Enthusiastische Reaktionen der kolumbianischen Handelsverbände. Auch Verteidigungskooperation angekündigt

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Zuschauerinnen bei der Wiedereröffnungszeremonie der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela
Zuschauerinnen bei der Wiedereröffnungszeremonie der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela

Cúcuta/San Antonio. Die Regierungen von Gustavo Petro und Nicolás Maduro haben am Montag die Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela offiziell wiedereröffnet. Sie war seit 2015 gesperrt. Passant:innen können bereits seit einem halben Jahr die internationale Brücke Simón Bolívar, den wichtigsten Grenzübergang in der Region, passieren. Nun ist diese Brücke, die die kolumbianische Stadt Cúcuta mit der venezolanischen Stadt San Antonio del Táchira verbindet, zusätzlich für den Frachtverkehr offen. Zudem wurden weitere Grenzübergangspunkte für Fußgänger:innen geöffnet. Der PKW- und Flugverkehr zwischen beiden Ländern soll bald ebenso reaktiviert werden.

An der Eröffnungszeremonie nahmen Regierungsdelegationen beider Länder teil. Auch der kolumbianische Präsident Gustavo Petro war anwesend. Er betonte die Bedeutung der Wiedereröffnung der Grenze für den gemeinsamen Handel. Nicht nur der kulturelle, sondern auch der kommerzielle Austausch von Produkten mit hoher Wertschöpfung sei am größten zwischen Nachbarländern. So sei es auch mit Venezuela gewesen, "bevor der sektiererische Wahnsinn die Herzen und Hirne eroberte".

Es gelte nun, die Wiederbelebung des Außenhandels mit Venezuela für die Ankurbelung der Industrialisierung in Kolumbien zu nutzen. Vor der Schließung der Grenze betrug der Außenhandel mit dem Nachbarland acht Milliarden US-Dollar jährlich. Aktuell erfolgt er auf illegalen Wegen und ist auf 500 Millionen US-Dollar gesunken. Ziel sei, ihn kurzfristig auf eine Milliarde US-Dollar pro Jahr zu steigern, am Ende der Amtszeit von Petro vier Milliarden US-Dollar zu erreichen und ihn langfristig wieder auf acht Milliarden US-Dollar anzuheben.

Es gehe dabei insbesondere um Exporte von Manufakturen aus Kolumbien und Importe anderer wichtiger Produkten, wie unter anderem Stahl und Aluminium aus Venezuela. Die Brücke zwischen Kolumbien und Venezuela sei so nicht nur ein Weg aus Beton, sondern "der Weg zum Aufbau des Fortschritts für beide Regionen".

Petro befürwortete in seiner Rede den Eintritt des karibischen Landes in die Andengemeinschaft (Comunidad Andina de Naciones, CAN), zu der Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien gehören. Venezuela und Chile haben die Mitgliedschaft beantragt. Auch Argentinien sollte Teil der CAN sein, äußerte Petro. "Gehen wir diesen Schritt, würde Kolumbien damit seine stärkste Wirtschaftsplattform hinter dem eigenen Binnenmarkt bauen", versicherte Petro.

Präsident Maduro seinerseits bezeichnete den Eröffnungstag in den sozialen Netzwerken als "historischen und bedeutsamen Tag für Venezuela und Kolumbien". Er begrüßte ebenso die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen. "Ich wusste, dass dieser Tag früher oder später kommen würde, und dieser Tag kam tatsächlich heute. Ich bedanke mich dafür bei Präsident Petro", sagte Maduro bei einer Rede am Montag.

Die Erwartungen der Unternehmerverbände sind groß. "Es bedeutet uns sehr viel, denn wir haben seit vier Jahren mit allen anderen Gremien sehr hart daran gearbeitet, dies zu verwirklichen. Wir hatten Hindernisse mit der Regierung von Präsident Iván Duque, weil er keine diplomatischen oder Handelsbeziehungen zu Venezuela unterhielt. Dies ist eine positive Nachricht, ein Thema, das wir Geschäftsleute, Händler und Industrielle in der Region mit großer Zuversicht und Optimismus sehen", sagte Sergio Palacios, Vorsitzender des Nationalen Händlervereins (Federación Nacional de Comerciantes, Fenalco) im Departamento Norte de Santander.

Der Austausch zwischen beiden Ländern schließt außerdem eine Kooperation in Verteidigungsfragen ein. Demzufolge haben sich der kolumbianische Verteidigungsminister, Iván Velázquez, und sein Amtskollege, Vladimir Padrino, getroffen. Sie wollen die Kommunikation zunächst zwischen den Befehlshabenden der Streitkräfte beider Länder in Cúcuta und San Antonio wiederherstellen.

Es wird also eine bilaterale Kommission gebildet, die sich mit Sicherheitsthemen an der Grenze wie dem Schmuggel, dem Drogenhandel und kriminellen Organisationen beschäftigt, die in der Grenzregion großen Einfluss haben.

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